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Andeutungen zu zeitgemässer Verbesserung akademischer Einrichtungen : zunächst veranlasst durch den für die Großherzogliche Hessische Landesuniversität zu Gießen neuerlich festgesetzten Studienplan und die auf denselben bezüglichen polemischen Schriften der Herren D.A.A.E. Schleiermacher und D.J.T.B.v. Linde / [Georg Zimmermann]
Entstehung
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iſt, ſo möge doch die Erörterung und Unterſuchung der Frage, wie es damit in praxi ſtehe, Anderen überlaſſen bleiben, und überdieß iſt der Schleiermacher'ſche Einwand mit jener Bemer⸗ kung des Herrn von Linde keineswegs entkräftet, denn Herr Schleiermacher will mit dem oben Angedeuteten doch nichts An⸗ deres ſagen, als: das nackte Gerippe der Univerſalgeſchichte muß bei den Studenten vom Gymnaſium her als bekannt vorausge⸗ ſetzt werden, für eine von höherem Standpunkte ausgehende Be⸗ handlung der Univerſalgeſchichte aber iſt die dafür gegebene Zeit von drei Stunden wöchentlich in Einem Semeſter nicht hinreichend.

Ueberhaupt dürfte nichts mehr als die Schwierigkeit der Aufgabe, bei Aufſtellung eines Studienplans etwas Vollendetes zu leiſten, dafür ſprechen, den Studienplan nur als Rathge⸗ ber, nicht aber als bindende Vorſchrift für die Studirenden zu publiciren.

Bleibt man jedoch dabei ſtehen, und die Anſicht des Ver⸗ faſſers ſpricht ſich, ungeachtet der Schwierigkeit der zu löſenden Aufgabe dafür aus, dem Studienplan die Kraft einer Vorſchrift zu geben, ſo darf wohl nachſtehender Vorſchlag der Prüfung erfahrener Männer vorgelegt werden.

Die meiſten jungen Leute nämlich betreten die akademiſche Laufbahn, ohne ſich der Gründe bewußt zu ſein, warum ſie ſich für dieſes oder jenes Studium beſtimmt haben. Der Einfluß ihrer Aeltern oder Freunde, ihre Umgebungen und Verbindungen haben ſie dabei geleitet. Sie wiſſen bloß im Allgemeinen, daß ſie Theologen, Juriſten oder Mediciner werden wollen. Ob ſie aber zu der äußerlich von ihnen gewählten Fachwiſſenſchaft auch inneren Beruf haben, welche Bedeutung und welchen Umfang die hierher gehörigen Discipline haben, welche Forderungen dabei an ſie gemacht werden müſſen, und ob ſie ſelbſt die dabei un entbehrlichen körperlichen und ſittlichen Eigenſchaften beſitzen, das Alles iſt ihnen unbekannt. Sie fangen indeſſen ihr Studium an. Erſt nach mehreren Semeſtern vielleicht gewinnen ſie den Ueberblick, der ſie zu einer Vergleichung ihres Studiums mit einem anderen befähigt, und werden ſich nun erſt deſſen bewußt, daß ſie einen Fehlgriff gethan haben und für den von ihnen ge⸗