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überlaſſen bleibt und das Verbot irgend eines Studiums wird wohl kein Studienplan enthalten.
Die Studien⸗Freiheit ſcheint alſo nur dadurch in Wider⸗ ſpruch zu kommen mit einem Studienplan, daß derſelbe vorſchreibt wie, das heißt, auf welchem Wege, in welcher Reihenfolge*) die fraglichen Studien gemacht werden ſollen. Hier kann aller⸗ dings der freie Entſchluß ſich für einen anderen Weg beſtimmen, als der Studienplan ihn vorſchreibt, und die Gegner des letzteren ſagen:„wenn ein Studienplan auch für viele, vielleicht für die meiſten Studirenden eine zweckmäßige Vorſchrift iſt, ſo kann es doch auch gar Viele geben, die dem Grade ihrer Bildung, ihrer
Vorkenntniſſe und ihrer geiſtigen Individualität zufolge beſſer
einen anderen Weg einſchlagen würden, und namentlich iſt es das Genie, das man ſtets ſeinen eigenen Weg zum Ziele muß ſuchen und ungehindert fortgehen laſſen.“
Der Studienplan, wenn er iſt, was er ſein ſoll, ſetzt eine Reihenfolge der zu hörenden Vorleſungen feſt, wie ſie das com— petente Urtheil der erfahrenſten und ſachverſtändigſten Männer für die beßte erkannt hat. Der vorgeſchriebene Weg muß alſo zwei⸗ felsohne ein an ſich zweckmäßiger, oder vielmehr er muß unter den verſchiedenen Wegen, die man einſchlagen kann, der im All⸗ gemeinen wirklich zweckmäßigſte ſein; und die vielleicht von Vielen beim Beginnen, wohl von Manchen auch noch im Verlaufe, ge⸗ wiß aber nur von Wenigen noch nach Vollendung ihrer Studien gehegte Ueberzeugung, daß für ihre Individualität ein anderer Weg beſſer geweſen ſei, wird faſt durchgehends auf Selbſttäu⸗ ſchung beruhen, und auch bei denen, die in dieſer Ueberzeugung recht haben, keinen wirklichen Nachtheil bewirken.
*) Allerdings kommt hier zugleich in Betracht, ob auch die Freiheit der Studirenden, ihre Collegien zu hören bei wem ſie wollen, be⸗ einträchtigt iſt. Hierüber gibt jedoch wohl kein Studienplan eine directe Vorſchrift und dieſe Frage kann darum um ſo mehr hier vorläufig ganz unerörtert bleiben, da der Verfaſſer auf dieſelbe in anderer Beziehung unter Nr. V.„über Eramina“ zurückkom⸗
men wird.


