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4) um durch das Entfernen einer unzweckmäßigen Studien⸗ weiſe und durch das Nöthigen zu einem planmäßigen Fortſchreiten in der erwählten Wiſſenſchaft einen wohlthätigen Einfluß auf das Wiſſen der Studirenden und auf das beſſere Haften ihrer erworbenen Kenntniſſe auszuüben; denn die in verkehrter Rei⸗ henfolge erlernten, durch einander geworfenen Gegenſtände des Wiſſens können nicht in succum et sanguinem übergehen und entſchwinden dem Gedächtniſſe leichter und ſchneller; ebenſo wie es zu den nachtheiligſten Verirrungen der Studirenden gehört, ſich mit einer im Galopp dem Gedächtniſſe eingeprägten Maſſe von todtem Wiſſen, mit auswendig gelernten Heften, durch das als bloßes opus operatum betrachtete Examen ſchaffen zu wollen.
Im Gegenſatze zu dieſen Vortheilen jedoch, welche ein Stu⸗ dienplan für die Studirenden haben kann und ſoll, gibt es Viele, welche die Feſtſetzung eines ſolchen theils für überflüſſig, theils für wirklich nachtheilig halten.
Man bedürfe eines Studienplans nicht, behauptet man, in⸗ dem die angehenden Studenten über die zweckmäßigſte Art ihrer vorzunehmenden Studien theils in den encyklopädiſch⸗methodo⸗ logiſchen Anfangs⸗ Collegien Anleitung bekommen, theils ſich jederzeit bei Aeltern, Lehrern oder erfahrenen Freunden hierüber Raths erholen können.
Dieſer Behauptung gegenüber, welche übrigens einen wirk⸗ lichen Nachtheil eines Studienplans darzuthun weder beabſichtigt noch vermag, genügt es, auf die Erfahrung hinzuweiſen, wie oft die Studenten ihre Studien auf eine ganz unzweckmäßige Weiſe machen und daß man in der Regel von den die Univerſität ver⸗ laſſenden Candidaten die Aeußerung hört:„ich wollte, ich hätte meine Studien noch einmal zu beginnen; denn jetzt erſt weiß ich, wie ich es angreifen müßte.“
Am öfterſten jedoch kämpft man gegen das Aufſtellen und gegen die bindende Kraft eines Studienplans mit der Aeußerung
„man trete damit der Studien⸗Freiheit zu nahe,“ und die Meiſten weichen ſtillſchweigend vor dieſer blinkenden Waffe zu⸗ rück; denn gegen die magiſche Kraft dieſes vielgebrauchten und vielgedeuteten Wortes„Freiheit“ mag nicht leicht Jemand eine
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