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Andeutungen zu zeitgemässer Verbesserung akademischer Einrichtungen : zunächst veranlasst durch den für die Großherzogliche Hessische Landesuniversität zu Gießen neuerlich festgesetzten Studienplan und die auf denselben bezüglichen polemischen Schriften der Herren D.A.A.E. Schleiermacher und D.J.T.B.v. Linde / [Georg Zimmermann]
Entstehung
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eigenen Intereſſe ſowohl, als auch in dem ſeiner künftigen Diener, an die er ſo hohe Forderungen ſtellen muß, den jungen Studirenden den Weg zu ihrer Vorbereitung mög⸗ lichſt zu erleichtern, ſie nach Kräften vor den Verirrun⸗ gen in ihren Studien zu bewahren, denen ſo viele aus

Unerfahrenheit bei ihrer akademiſchen Vorbereitung mehr

oder weniger zum Opfer werden.

Geht man von dieſen beiden Geſichtspunkten aus, ſo laſſen ſich für das Feſtſetzen eines Studienplans und für die bindende Kraft ſeiner Vorſchriften folgende Gründe anführen. Man ſchreibt den zum inländiſchen Staatsdienſte ſich vorbereitenden Studiren⸗ den Zahl und Reihenfolge der von ihnen zu beſuchenden Colle⸗ gien vor:

1) um bei der Entſcheidung über die Befähigung der künf⸗ tigen Staatsdiener in der Einhaltung des vorgeſchriebenen Stu⸗ dienwegs eine weitere, wenn auch nur unvollkommene, aber darum doch nicht bedeutungsloſe Garantie für das zu haben, was man bei den Candidaten durch Fragen im Examen allein nicht zu erforſchen vermag;

2) um die jungen Studirenden in den empfänglichſten Ju⸗ gendjahren an Ordnung und Regelmäßigkeit, an das Einhalten einer planmäßigen, logiſchen Reihenfolge in ihren Studien und Arbeiten zu gewöhnen; Eigenſchaften, die der künftige Staats⸗ diener, wenn er ſeine Stelle ausfüllen will, beſitzen muß und die er ſich gar nicht früh genug aneignen kann;

3) um die Studirenden vor unnöthigem Zeitverluſte zu be wahren; denn die Arbeit, die man recht angreift, wird man auch raſch zu fördern vermögen; wer aber öfter anſetzt und, weil er ſieht, daß er auf falſchem Wege iſt, immer wieder abſetzen muß, der wird die koſtbare Zeit verlieren und zu ſeinem eigenen Scha den, ebenſo wie zum Nachtheil ſeines künftigen Dienſtes, weniger lernen, als er hätte lernen können; und Zeit hat der Studirende bei den immer geſteigerten Forderungen, welche bei den raſchen Fortſchritten der Wiſſenſchaften und bei der immer größeren Aus⸗ dehnung ihrer Literatur an ihn gemacht werden müſſen, wahrlich nicht viel zu verlieren; endlich aber