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Der forstwissenschaftliche Unterricht an der Universität Gießen in Vergangenheit und Gegenwart : ein Gedenkblatt zur Erinnerung an den 14. Juni 1881, den in Gießen ausgebildeten Forstwirthen und allen Anhängern des forstlichen Universitätsunterrichts / gewidmet von Dr. Richard Heß
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praktiſche Erfahrung befähigten ihn im hohen Maße zum Docenten. Sein Vortrag war wie Alles, was er ſchrieb, ſcharf logiſch gegliedert, vom Einfachen zum Zuſammengeſetzten aufſchreitend; auch ſeine Diction war feſſelnd. Die Materie, welche er ſeinen Zuhörern bot, ſtützte ſich nicht nur auf ausgedehnte Litteraturſtudien, ſondern faſt noch mehr auf eigene gründliche Erfahrungen; ſie war außerdem auf das Sorgfältigſte vorbereitet. Kein Wunder, daß unter ſo gediegener Leitung die Frequenz weſentlich ſtieg(bis 52 als Maximum im Sommerſemeſter 1847), wobei übrigens wohl auch noch andere Ver⸗ hältniſſe mitgewirkt haben.

Ihm folgte als ordentlicher Profeſſor ſein Sohn Guſtav durch Decret vom 29. April 1857, unter gleichzeitiger Entbindung von ſeiner Stelle als Oberförſter. Die Functionen des zweiten Lehrers der Forſtwiſſenſchaft wurden(am 12. Mai) dem von Homburg nach Gießen berufenen Oberförſter Eduard Heyer übertragen. Auch jetzt blieb die ſeitherige Theilung in die theoretiſchen und praktiſchen Fächer beſtehen, oder vielmehr ſie kam jetzt erſt recht zur vollen Geltung. Guſtav Heyer las als ord. Profeſſor alle forſtlichen Disciplinen, mit alleiniger Ausnahme des Waldwegbau's, und auch angewandte naturwiſſenſchaftliche Fächer, wie Forſtliche Bodenkunde, Forſtliche Klimatologie und Forſtbotanik. Eduard Heyer hingegen docirte bloß Waldwegbau und leitete außerdem alle praktiſchen Curſe über Waldbau, Waldwegbau, Forſtbenutzung, Forſtvermeſſung, Wald⸗ theilung, Holzmaſſenaufnahme und Waldertragsregelung.

Der Schwerpunkt wurde übrigens im Laufe der Zeit immer mehr in die forſt mathematiſchen Zweige, bezw. die forſtliche Betriebs⸗ lehre(Waldertragsregelung, Waldwerthrechnung und Forſtſtatik), ver⸗ legt, weil Guſtav Heyer als gründlich gebildeter Mathematiker dieſe Richtung mit beſonderer Vorliebe pflegte.

Die Anforderungen an die mathematiſche Ausbildung der Forſtwirthe wurden geſteigerte, namentlich durch Dr. Alfred Clebſch ¹), welcher in den Prüfungen bedeutende Kenntniſſe(auch in der ſphäri⸗ ſchen Trigonometrie und Analyſis, insbeſondere der Differential⸗ und

¹) Ordentl. Profeſſor der Mathematik in Gießen durch Decret vom 21. October 1862 bis zum Ende des Sommerſemeſters 1868, dann in Göttingen, wo er am 7. November 1872 an der Diphteritis ſtarb.