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I. Theil. Geſchichtlicher Rückblick.
Der forſtwiſſenſchaftliche Unterricht an der Großherzogl. Heſſiſchen Univerſität Gießen ¹) hat in Bezug auf äußere Geſtaltung und inneren Charakter drei verſchiedene Phaſen der Entwickelung durchlaufen, von welchen ſich namentlich die erſte ſcharf von den beiden übrigen ab⸗ ſcheidet.
Zu Ende des vorigen und bis in die 20Oer Jahre dieſes Jahr⸗ hunderts beſtand in Gießen der ſog. forſt cameraliſtiſche Unter⸗ richt in ähnlicher Weiſe, wie an anderen Univerſitäten ²) und hohen Cameralſchulen ³), durch Walther vertreten. Mit dem Tode dieſes vielſeitig gebildeten Gelehrten ſchließt das Cameraliſtenthum der früheren Zeit und die erſte Periode des hieſigen forſtlichen Unterrichts ab.
Es wurde nun eine beſondere ordentliche forſtwiſſenſchaftliche Profeſſur in Gießen errichtet und mit Hundeshagen, einem nicht nur cameraliſtiſch, ſondern auch forſttechniſch gebildeten Manne von dominirenden Eigenſchaften, beſetzt. Die damals noch jugendliche Forſtwiſſenſchaft fand jedoch hiermit noch keine vollſtändige Aufnahme bei der universitas litterarum. Die„Forſtakademiker“ wurden näm⸗ lich, wenigſtens in Bezug auf den rein fachwiſſenſchaftlichen Unterricht, auf eine 1825 unter Hundeshagen's Directorium errichtete und
¹) Gegründet am 7. October 1607 vom Landgraf Ludwig V., aufgehoben 1624 und wieder hergeſtellt am 15. Mai 1650 vom Landgraf Georg II.
²2) z. B. Berlin, Jena, Göttingen, Freiburg i. Br., Tübingen, Heidelberg, München ꝛc.
³) z. B. Kaiſerslautern, Mainz, Mannheim ꝛc.


