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Der forstwissenschaftliche Unterricht an der Universität Gießen in Vergangenheit und Gegenwart : ein Gedenkblatt zur Erinnerung an den 14. Juni 1881, den in Gießen ausgebildeten Forstwirthen und allen Anhängern des forstlichen Universitätsunterrichts / gewidmet von Dr. Richard Heß
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Im Jahre 1820 ¹) reichte Carl Heyer(damals Revierförſter zu Grünberg), auf Grund des Gerücht's, daß in Gießen eine Forſtlehr⸗ anſtalt in Verbindung mit der Univerſität errichtet werden ſolle, bei dieſer einen Plan über die zweckmäßigſte Organiſation dieſer Anſtalt mit der Bitte um Berückſichtigung bei Beſetzung der betreffenden Lehrerſtellee ein. Walther, zum Referenten beſtellt, ſträubte ſich aber in einem höchſt merkwürdigen Gutachten vom 19. September 1820 ganz gewaltig gegen die Gründung einer ſolchen Anſtalt. Nach⸗ dem er ſich in höchſt ungünſtiger Weiſe über den Bittſteller ²2), obſchon er dieſen früher als fleißigen Schüler kennen zu lernen Gelegenheit hatte, geäußert, fährt er fort:Ob übrigens ein praktiſches Forſt⸗ inſtitut dem Lande noth thue, ob es ihm erſprießlich wäre, das iſt eine ganz andere Frage, die nicht hierher gehört, aber ſelbſt im Be⸗ jahungsfalle ſteht der Satz feſt, daß ein ſolches Inſtitut nicht auf eine Univerſität gehöre: denn dieſe ſoll ſich nicht in eine Specialſchule zerſplittern und techniſche Inſtitute bleiben ihr fremd. Wälder wollen von Forſtmännern adminiſtrirt ſein und nicht von Doctoribus philo- sophiae, und Forſtmänner begeben ſich billig des Eingreifens in das Gebiet der Philoſophie...... Einer Univerſität fremdartige praktiſche Inſtitute aufhalſen wollen, iſt zweckwidrig, denn das bloß Techniſche gehört nicht auf Univerſitäten, und eine universitas iſt keine specialitas. Was haben die Napoleoniſchen Specialſchulen für eine Kritik erfahren!

Am Schluſſe ſeines Votums beantragt er:Daß man höchſten Orts gnädigſt geruhen möchte, Supplicanten ſein Geſuch in Gnaden ein für allemal abzuſchlagen, da ein ſolches Inſtitut, welches einen

¹) Als Curioſum möge hier die Notiz Platz finden, daß ſchon 1816 ein Forſt⸗ meiſter Hartig um die Erlaubniß bat, forſtwiſſenſchaftliche Vorleſungen auf der Univerſität halten zu dürfen. Es war dies jedenfalls der geiſteskranke Friedrich Carl Hartig, geb. 3. November 1768 zu Gladenbach, geſt. 21. Juli 1835 im Landeshospital Hofheim, welcher von 1815 bis 1820 ſeinen Wohnſitz in Gießen aufgeſchlagen hatte. Die Univerſität berichtete hierüber:Zu der anliegenden Vor⸗ ſtellung glauben wir unterthänigſt bemerken zu müſſen, daß derſelbe notoriſch ſeiner Vernunft nicht mächtig iſt und tragen daher auf Abſchlagung ſeines Geſuches an. Selbſtverſtändlich erfolgte(am 30. September) der beantragte abfällige Beſcheid.

²) Wie ſehr Walther mit ſeinem Urtheil über Carl Heyer im Irrthum befangen war, zeigte ſpäter deſſen ausgezeichnete Lehrthätigkeit an unſerer Ludoviciana.