Druckschrift 
Gegenbemerkungen auf die Bemerkungen des Herrn Geheimen Raths Dr. Schleiermacher über den Studienplan für die Großherzoglich Hessische Landesuniversität zu Gießen / vom Geheimen Medicinalrathe Dr. v. Ritgen, Professor an dieser Universität
Entstehung
Seite
40
Einzelbild herunterladen

40

tung eine gründliche Würdigung und Erläuterung fänden, zugleich mit der Anleitung, die einzelnen gehörig anzuwenden und durchzu⸗ führen. Dieß gehört zu den ſchwerſten Theilen der practiſchen Medicin, und es würde ſich ein ſolcher Vortrag ſehr weit von dem, der im Anfang gegeben werden kann, unterſcheiden müſſen. Die Semiotik iſt, wie es uns ſcheint, im ſiebenten Semeſter zu ſpät vorgetragen. Sie bildet wohl ſchicklicher mit der allgemeinen Patho⸗ logie einen Theil der Einleitung; die ſpecielle Semiotik muß ja doch in der ſpeciellen Pathologie und Therapie neben der Symptomato⸗ logie vorkommen, und es iſt daher unpaſſend, wenn das allgemeine Colleg darüber erſt ſpäter gehört werden ſoll.

Bei dieſer Aeußerung iſt es auffallend, daß der Studienplan geta⸗ delt wird, weil kein beſonderer Vortrag über Symptomatologie erwähnt ſei, und Herr Schleiermacher ſcheint daher zu wünſchen, daß dieſer Vortrag auch beſonders gehalten werde, während er gleich darauf ſagt, man thue wohl, ihn nicht beſonders zu halten. Ich muß mich daher begnügen, zu ſagen, was der Studienplan will, und warum er es will. Die Lehre von den Krankheitszufällen, ver⸗ eint mit der Lehre von den Wiedergeneſungserſcheinungen, und vergli chen mit den Zeichen der geſundheitsgemäßen Lebensverrichtungen, macht im Studienplan den Lehrvortrag aus, welcher dort als Semio⸗ tik bezeichnet wird, es iſt dieß die Zeichenlehre in ihrer Voll⸗ ſtändigkeit, weil ſie alle Zeichen, der Krankheit, wie der Geſund⸗ heit und der gegenſeitigen Uebergänge beider in einander umfaßt. Die Semiotik ſchließt alſo die Symptomatologie mit ein, und ein iſolirter Vortrag der bloßen Krankheitserſcheinungen, ohne jene Verbindung und Vergleichung, möchte gewiß weniger belehrend ſein. Wenn man bedenkt, daß bei der ſpeciellen Krankheitslehre die Symptome aller einzelnen Krankheitsformen vollſtändig abgehandelt werden, und daß die Symptomatologie für ſich bloß eine Zuſammenſtellung aller dieſer einzelnen, bei den verſchiedenen Krankheitsformen vorkommenden, Sym⸗ ptome ſeyn würde, und wenn man zugleich bedenkt, daß die ſpecielle Wiederherſtellungslehre ſtets mit der ſpeciellen Krankheitslehre verbun⸗ den wird; ſo ſcheint die Iſolirung der Krankheitserſcheinungen von den Wiedergeneſungserſcheinungen noch weniger gut geheißen werden zu können.

Was Herr Schleiermacher mit den Worten:Ein zuſammenhan⸗ gender Curſus über allgemeine Pathologie und Therapie in dieſem