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Gegenbemerkungen auf die Bemerkungen des Herrn Geheimen Raths Dr. Schleiermacher über den Studienplan für die Großherzoglich Hessische Landesuniversität zu Gießen / vom Geheimen Medicinalrathe Dr. v. Ritgen, Professor an dieser Universität
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da hierzu der vorausgegangene Gymnaſialunterricht erforderlich iſt, oder eine Nachweiſung der durch denſelben zu erlangenden Kennt⸗ niſſe vermöge der Maturitätsprüfung. Wer nun mag ſich wohl, wenn ihm jede Ausſicht auf eine ſolche Anſtellung im Voraus abge⸗ ſchnitten iſt, dem mit immerhin bedeutenden Koſten verbundenen Aufenthalt auf der Landesuniverſität fünf Semeſter hindurch unter⸗ ziehen? und wird dann, wenn dieß nur ſelten der Fall ſeyn möchte, dem überall fühlbar gewordenen Bedürfniſſe ſchleuniger Hülfe in vielen Krankheitsfällen der Thiere abgeholfen? Wahrſcheinlich nicht, und es wird daher die Anſicht derjenigen, welche eine thierheilkun⸗ dige Bildung nach beſchränkterem Maaßſtab verlangen, den Vorzug verdienen. Zu dieſer reichen beſondere Vorträge, welche die dazu befähigten Bezirksthierärzte(alſo auch der auf der Univerſität) erthei⸗ len mögen, vollkommen hin; die Hufſchmiede ſind die dazu geeig⸗ neten Subjecte, eben ſo und oft in noch höherem Grade Landwirthe, zumal wenn ſie auch noch anderweitige Bildung beſitzen; in ihrer eigenen Oeconomie, wenn ſie von größerem Umfange iſt, wird ſich die auf einen Curſus der Thierheilkunde verwandte Zeit oft reich⸗ lich belohnen. So gut wie man überall Hebammen hat, die nicht gelehrte Geburtshelfer ſind, wird man dann überall Thierärzte haben können, da die Zahl der Thierkrankheiten nicht groß iſt, und ihre Heilung meiſt auf einfachen Principien beruht. Können neben einem ſolchen Verhältniſſe die Bezirksthierärzte mit ihrem Einkommen nicht beſtehen, ſo iſt der Staat, der ihrer nicht entbehren kann, ſchuldig, ihrem Gehalt das Erforderliche zuzulegen, eine Ausgabe, die bei der beſchränkten Zahl derſelben, nicht übermäßig ſeyn würde.

Zufolge der Medicinalorganiſation von 1822 ſollten, neben den thierheilkundigen Empirikern, oder ſ. g. Thierheildienern, welche bloß zu einzelnen Hülfeleiſtungen bei nicht fieberhaften und nicht anſteckenden Thierkrankheiten befugt ſind, die eigentlichen Thier⸗ ärzte nur eine einzige Klaſſe bilden und es wurden von ihnen ganz dieſelben wiſſenſchaftlichen Vorkenntniſſe, wie bei den Aerzten ver⸗ langt. Es ſchien indeſſen der mediciniſchen Facultät, daß durch die Anforderung einer ſtreng wiſſenſchaftlichen Vorbildung dem thierheilkundigen Stande eine große Zahl brauchbarer Subjecte entzo⸗ gen werden möchte, und zwar um ſo mehr, da vollſtändig wiſſen⸗ ſchaftlich vorgebildete junge Leute meiſtens die Menſchenheilkunde der Thierheilkunde vorziehen. Auch berückſichtigte die Facultät, daß die