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Allgemeinen wiſſen, wohin ein inneres Heilverfahren in jedem be— ſonderen Falle zu richten iſt, um in dringenden Fällen vorläufige allgemeine Anordnungen machen zu können, bis der Arzt eintrifft. Er muß daher die Symptome eines Fiebers, einer inneren Ent⸗ zündung und ſonſtigen Krankheiten ſo weit kennen, daß er einen guten Krankenbericht zu entwerfen im Stande iſt, auch dem Kranken dasjenige zweckmäßige diätetiſche Verhalten angeben kann, was derſelbe bis zur eintreffenden Vorſchrift des Arztes zu beobach⸗ ten hat. Zu dem Ende muß er alſo die Diätetik und Krankenpflege ganz theoretiſch und practiſch verſtehen, d. h. er muß nicht unr im Allgemeinen zu beurtheilen wiſſen, welche Diät und welches Verfah⸗ ren bei beſonderen Krankheiten angezeigt iſt, ſondern auch mit der Krankenpflege practiſch vertraut ſeyn. In dieſer letzteren Hinſicht muß demnächſt denjenigen, welche ſich bei uns bilden wollen, der Unterricht im akademiſchen Hospital gegeben werden, was leicht geſchehen kann, wenn man die Zöglinge ſpeciell zur Krankenpflege anhält. Er muß ferner die Symptome eines Schlagfluſſes und eines Stickfluſſes kennen und wiſſen, was nach der Verſchiedenheit der Veranlaſſungen und nach der Konſtitution des Kranken auf der Stelle ſo lange zu thun iſt, bis die Verordnungen des Arztes eintreffen können. Er muß bei akuten Vergiftungen, bei Ertrunkenen, bei Erhängten, Erſtickten und bei Blutſturz die auf der Stelle nothwendige Behandlung ſo lange vornehmen können, bis die Hülfe des Arztes eintrifft;— er muß dann wei⸗ terhin dem Arzte auf eine geſchickte Weiſe an die Hand zu gehen verſtehen. Er muß die Einimpfungen der Blattern, insbeſondere der Schutzblattern vornehmen können und die ächten von den un⸗ ächten zu unterſcheiden wiſſen. Hinſichtlich der Pharmacie reicht es hin, wenn der Phyſikatschirurg weiß, welche Stoffe im Allgemei⸗ nen diejenigen Arzneien enthalten, die in ſeinem Wirkungskreiſe in Anwendung kommen und welche ſinnliche Wirkung diejenigen haben, die innerlich zu geben ſind, ob ſie z. B. ſchweißtreibend, urintrei⸗ bend, Brechen erregend, larirend, mehr oder minder ſcharf oder betäubend, giftig ſind ꝛc., und wenn er die Namen derjenigen Me⸗ dicamente richtig zu nennen und zu ſchreiben weiß, welche in ſei⸗ nem Wirkungskreiſe vorkommen, in ſo weit dieſe Medicamente aus einer Apotheke zu beziehen ſind. Mit der Geburtshülfe braucht er gleichfalls nicht bekannt zu ſeyn, weil unſere Phyſikatsärzte geſetz⸗ lich auch Geburtshelfer ſeyn müſſen und weil in denjenigen Fällen, wo bei Niederkünften die Zuziehung eines Geburtshelfers nothwen⸗ dig wird, faſt immer auch eine innere Behandlung nothwendig iſt, mit derjenigen äußeren Behandlung aber, welche bis zur Ankunft des Geburtshelfers vorgenommen werden muß, un⸗ ſere Hebammen bekannt ſeyn müſſen. Auch dürfte zu berückſichti⸗ gen ſeyn, daß der Wirkungskreis unſerer Phyſikatsärzte nicht zu ſehr beeinträchtigt werden dürfe. Nun wäre die Frage zu erörtern,


