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Gegenbemerkungen auf die Bemerkungen des Herrn Geheimen Raths Dr. Schleiermacher über den Studienplan für die Großherzoglich Hessische Landesuniversität zu Gießen / vom Geheimen Medicinalrathe Dr. v. Ritgen, Professor an dieser Universität
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ausgeſagt würde: N. N. iſt am⸗.... von der Fakultät hinſicht⸗ lich ſeiner Vorkenntniſſe geprüft und fähig gefunden worden, die niedere Chirurgie ſtudiren zu können, auch zu dieſem Kreiſe bei der Fakultät inſcribirt. In jedem Semeſter hätte der Decan der medi⸗ ciniſchen Fakultät dem Rector das Verzeichniß derjenigen einzuſen⸗ den, welche ſich zum Studium der Chirurgie in dem Kreiſe der Phyſikatschirurgen bekennen, und der Rector ſetzte alle übrigen Do⸗ centen davon weiter in Kenntniß, in ſo weit dieſes nöthig erachtet werden könnte. Wenn dieſelben in dieſem Verhältniſſe zu den Stu⸗ denten gehalten werden, ſo werden ſie über den ihnen beſtimmten Kreis nicht leicht hinausgehen. Sollte ſich der eine oder der andere ein Vergehen zu Schulden kommen laſſen, welches auf die Disci plin der Studenten nachtheiligen Einfluß hätte, ſo wäre ein ſolches Subject nach Umſtänden auch geradeweg von den Vorleſungen aus⸗ zuſchließen, und es würde demſelben das Urtheil von dem Decan der Fakultät angekündigt. In allen übrigen bürgerlichen Verhält⸗ niſſen bleiben ſie der allgemeinen Polizei untergeordnet. B. Die Gegenſtände, worin der Phyſikatschirurg unterrichtet ſeyn muß, würden folgende ſeyn: 1) Anatomie und zwar a. theoretiſche: die geſammte innere Bilduug des menſchlichen Körpers in allen ſeinen Theilen, wie ſie ſich dem Anatomen darſtellt; höchſtens wäre die Kenntniß feiner Theile, welche mehr zu dem Geſichtskreiſe der Phyſiologie und des Arztes gehören, zu erlaſſen. b. Praktiſche: Er muß ſich im anatomiſchen Seciren und Präpariren eine längere Zeit, wenigſtens einen halbjährigen Kurs hindurch auf einem ana⸗ tomiſchen Theater unter der Aufſicht eines Lehrers geübt haben, einerſeits um dadurch mit der relativen Lage der einzelnen Ge⸗ bilde genauer bekannt zu werden andererſeits um ſich da⸗ durch die Fähigkeit zu erwerben, das Meſſer führen zu können. 2) Phyſiologie. Er muß mit der Lehre von der Verdauung, vom Athmen und von der Blutſtrömung inſoweit dieſen Lehren be⸗ ſtimmte Thatſachen zu Grunde liegen bekannt ſeyn. Dieſer Theil der Phyſtologie kommt an den meiſten anatomiſchen Lehran⸗ ſtalten und namentlich an der unſrigen bei den anatomiſchen De⸗ monſtrationen vor. Der Zögling braucht daher die Vorleſungen über Phyſiologie(die auf das Wiſſenſchaftliche gehen müſſen und darum einen ſpeculativen Sinn haben) nicht allein nicht zu beſu⸗ chen, ſondern er muß auch im Gegentheile dann davon entfernt gehalten werden, wenn ſeine Individualität beſorgen läßt, daß er in dieſen Vorleſungen nur Materialien erhalten würde, die er nicht verdauen würde und die leicht zu einem Dünkel führen könnten. 3) Chirurgie. Die Diagnoſe aller äußern Krankheiten und den

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