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Gegenbemerkungen auf die Bemerkungen des Herrn Geheimen Raths Dr. Schleiermacher über den Studienplan für die Großherzoglich Hessische Landesuniversität zu Gießen / vom Geheimen Medicinalrathe Dr. v. Ritgen, Professor an dieser Universität
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Denker möchten auch behaupten, die Seele, als eine Kraft bei ihrem Wirken auftretend, könne niemals ohne ein Wirkungsmaterial gedacht werden, und, wenn der menſchlichen Seele, während des Erdenlebens, ein noch unverklärter Leib als Wirkungsmittel nicht fehle und nach dem Tode ein verklärter Leib dereinſt erwartet werde, ihr in der Zwiſchenzeit irgend eine Art von Wirkungsmedium nicht ganz ab⸗ gehen werde. Manche Denker möchten auch das innere Ergebniß der Kraftäußerung der Seele, welches, je nach dem Gelingen oder Miß

lingen jener Aeußerung, als angenehmes oder unangenehmes Gefühl

erſcheint, von der Kraft unterſcheiden und namentlich das Gefühl nicht dem Geiſte zuſchreiben. Herr Geheimer Rath Dr. Schleier macher wird es daher natürlich finden, daß, wenn er ſeine Definition von Pſychologie, als allgemein gültig, hinſtellt, eine ſolche Weiſe des Vorausſetzens oder Belehrenwollens nicht allgemein anſprechen kann, und ſeine anſcheinende Abgeneigtheit gegen philoſophiſche Betrachtung in einer nahe liegenden Beziehung ſehr erklärlich deuten läßt.

Ich komme nunmehr zu den Ausſtellungen gegen den Studienplan der mediciniſchen Facultät. Es heißt S. 34 u. 35:

Bei den für die Aerzte beſtimmten Vorleſungen ſind die, wel⸗ che bisher von den verſchiedenen academiſchen Lehrern auf der Lan⸗ desuniverſität gewöhnlich gehalten worden ſind, an einander gereiht, obgleich, wie es ſcheint, ein unter höchſter Autorität erſcheinender Studienplan hier etwas mehr hätte thun dürfen, als eine ſolche Zuſammenſtellung zu veranſtalten. Einige Abweichungen finden je doch auch Statt. Wir wollen nur wenige Verhältniſſe berühren, darunter keines, das die beſtehenden Vorträge betrifft.

Was der Herr Geheimer Rath Dr. Schleiermacher hier von be⸗ ſtehenden und neuen Vorträgen ſagt, verſtehe ich nicht. Die im Studienplan für Aerzte aufgeführten 47 verſchiedene Lehrvorträge, welche, als den Geſammtumfang des Unterrichts für die ganze Men⸗ ſchenheilkunde enthaltend, bezeichnet ſind, wurden bisher ohne Ausnahme, und ganz gewöhnlich, von den ſeitherigen Docenten gehalten, und es iſt mir nicht bekannt, daß neue Vorträge für die Zukunft bezweckt werden, wenn gleich die Theilung der gedachten Vorträge in eine Menge Unter⸗ abtheilungen derſelben möglich iſt und, bei der ſteten Zunahme des Materials des Wiſſens und der bezüglichen Nachweismittel, im Voraus mit Gewißheit zu erwarten ſteht. Namentlich ſind die, in