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ſophiſchen Studien von Seiten der Theologen, die vorzugsweiſe Hang dazu zu haben pflegen, erwarten wir alſo keinen großen Vortheil.“
Hat die Philoſophie die chriſtliche Theologie von einem großen Theile der Lehrſätze, die ſie im Laufe der Jahrhunderte in ſich auf— nommen hatte, wirklich gereinigt, war alſo das Aufgenommene verwerflich, ſo ſollte man glauben, die Philoſophie habe hohen Werth. Gewiß moͤchte in der Philoſophie ſehr unter dem unterſchie⸗ den werden, was der menſchlichen geſunden Vernunft ge⸗ radezu, als unmöglich, widerſpricht und dem, was über ſie hinausgeht. Iſt bei academiſchen ſpeculativen Vorträgen eine Ueberwachung, damit nicht das, als dem Menſchen eingebornes Licht, gegeben werde, was kein ſolches iſt und daher das Offenba— rungslicht zu vernichten ſtrebt, ſo ſchwer, wie Herr Geheimer Rath Schleiermacher zu fürchten ſcheint; ſo iſt es freilich am gerathenſten, ſolche Vorträge für Theologen und noch mehr für alle übrigen Stu⸗ direnden, da ſie mit dem Studium des Offenbarungslichts ſich weni⸗ ger beſchäftigen können, ganz fern zu halten und überhaupt für die Erkaltung des ſpeculativen Sinnes, beſonders bei jungen Leuten zu wirken. Da ohnehin im ſpätern Leben nur zu oft dieſer Sinn geſchwächt wird, oder ganz erliſcht; ſo iſt zur Ausrottung deſſelben das Handanlegen während des Lebens auf der Univerſität gewiß der geeigentſte und den meiſten Erfolg verſprechende Zeitpunkt. Aber auch nur das Streben, dem dogmatiſchen Unterrichte das Uebergewicht über den ſpeculativen zu geben, würde ebenſo, wie ein umgekehrtes Bemühen, ſchon einer Universitas literarum zuwiderlaufen, welche ein allſeitiges Gleichgewicht der Unterrichtsrichtungen bedingt. Auch ſcheint überſehen zu werden, daß die ſpeculativen Irr⸗ thümer, welche die natürliche Einſeitigkeit jedes einzelnen Docenten mit ſich führt, in ihren nachtheiligen Wirkung auf die Zuhörer durch die entgegenſtehenden Anſichten eines andern Docenten am beſten beſchränkt werden und daß daher die Sorge für ſpeculative Vorträge von meh⸗ reren Lehrern beſondere Aufgabe der Staatsregierung ſein muß.
Auffallend iſt die Anſicht des Herrn Geheimen Raths Dr. Schleier⸗ macher über Pſychologie. Er ſagt:
„Die Pſychologie zerfällt in zwei Theile, in die metaphyſiſche, das iſt die Lehre von dem Weſen des menſchlichen Geiſtes vor, während und nach ſeinem Aufenthalt auf dieſer Erde betrachtet, und von dem Weſen eines Geiſtes überhaupt; Gegenſtände, die von je⸗ her vielen Stoff zur Speculation gegeben haben, die aber die menſch


