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ein beſonderer Beruf begründet. Jedenfalls kann nicht einmal das Offenbarungslicht, als ſolches, erkannt und prüfend verfolgt werden, ohne das, dem Menſchen von Gott eingegoſſene, Licht hierzu jeden Augenblick zu benutzen. Es befremdet daher, den Verfaſſer der Be⸗ merkungen über den fraglichen Studienplan ſagen zu hören:
„Einen Theil der Theologen ſehen wir daher von jeher der Philoſophie abhold, wegen des vielen Mißbrauchs, der mit ihr zum Nachtheil der Religion getrieben worden war; andere vertheidigten ihre Anwendung auf die Theologie, und noch andere identiſirten ſie mit derſelben, oft ſich ſelbſt nicht bewußt, daß das, was ſie für die chriſtliche Lehre ausgaben, weit über deren Gränzen hin⸗
Theologie von einem großen Theil der Lehrſätze, die ſie im Laufe der Jahrhunderte in ſich aufgenommen hatte; die verſchiedenartig⸗ ſten Verſuche wurden gemacht, beide Wiſſenſchaften in völlige Ueber⸗ einſtimmung zu bringen, Verſuche, die zum Theil mit der Ueber⸗ zeugung endigten, daß ſich die Lehrſätze der einen oder andern Schulphiloſophie mit faſt gleichem Erfolg gegen das Chriſtenthum als zu ſeinen Gunſten anwenden ließen. Und ein anderes Reſul⸗ tat konnte eine Philoſophie auch nicht wohl darbieten, die als ein⸗ ziges und höchſtes Erkenntnißprincip die menſchliche Vernunft be⸗ trachtet, und eine göttliche Offenbarung nur in ſo fern anerkennen will und darf, als dieſe mit jener in allem übereinſtimmt, und auch nicht über ſie hinausgeht.— Soll nun der Theologe durch die Philoſophie einen Theil ſeiner Bildung erhalten, ſo muß dieß wohl eine Philoſophie ſeyn, die in ihren Grundſätzen nicht der chriſtlichen Theologie negirend entgegen⸗ tritt; eine Forderung, die leichter geſtellt, als in ihrer Ausführung überwacht werden kann, da ſich die aus den philoſophiſchen Syſte⸗ men zu ziehenden Conſequenzen gar nicht immer von Anfang an leicht überſehen laſſen. Aeltere philoſophiſche Syſteme und Anſich⸗ ten ſind meiſtens ſo nach ihren verſchiedenen Beziehungen bearbeitet, daß ſie mit den daraus möglichen Folgerungen ziemlich klar vor⸗ liegen;z bei den neu aufkommenden iſt dieß aber öfters nicht der Fall. Sie finden durch den Reiz der Neuheit, dadurch daß jün⸗ gere Docenten ſie vorzugsweiſe zum Gegenſtand ihrer Vorleſungen machen, die ſich dann an berühmte Namen anknüpfen, durch das für Speculationen leicht erregbare jugendliche Gemüth, einen oft alle Erwartung überſteigenden Anklang, werden mit Enthuſiasmus aufgenommen und halten ſich einige Jahrzehende hindurch auf einem
machen müſſen. Wir können nicht läugnen, daß wir auf Univerſi⸗ täten die Cultur poſitiver Unterrichtsgegenſtände für weit erſprieß⸗ licher halten, als die der ſpeculativen, mit denen ſich der reifere Mann, im Beſttze gründlicher Kenntniſſe befaſſen mag, wenn er noch Gefallen daran finden kann. Von der Hinneigung zu philo—
ausgehe. Eine neue Philoſophie reinigte ſpäterhin die chriſtliche
gewiſſen Höhepungt, bis ſie nachher andern Syſtemen wieder Platz—
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