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sich gute Sache durch Mifsbrauch nicht becinträchtigt werden kann. Dals bei der Lieferung von Dissertationen und deren öffent- lichen Vertheidigung Miſsbräuche vielfacher Art statifinden, welehe die Forderung lächerlich und selbst schädlich machen, ist gewils. Allein ebenso gewils ist es, dals diese Forderung in unzähligen Fällen die erste Veranlassung zu einer ernsten selbstthätigen wissenschaftlichen Regsamkeit, zur Lieferung sehr vieler bleibend werthvoller Arbeiten, ja selbst zur Realisirung anderweitig nicht leicht ausführbarer Unternehmungen gewesen ist. Die milslichen Seiten des Dissertationenschreibens und der Disputationen treten vorzüglich da hervor, wo eine zu grofse Centralisation und der Gebrauch einer als Bildungsmittel unschätzbaren, aber dem Leben entfremdeten Sprache Statt findet. An einer Universität, wo 120— 150 Candidaten jährlich promoviren und disputiren, entartet die Sache zum Handwerke und wird Gegenstand des Handels und der Speculation*).
*) Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin, auf das unwür- dige und indignirende Verfahren unseres Hrn. Dr. ☚ aufmerk- sam zu machen, indem ich die Aufmerksamkeit der Leser auf die zu Seite 54 seiner Broschüre gelieferte Anmerkung lenke. Er eifert hier gegen den allerdings sehr verwerflichen Dissertationen- Schreibhandel, meint aber, er könne doch auch bei uns eintreten, denn er sey ja sogar auch von dem„groſsen“ Reil getrieben wor- den. Der Geist, in welchem diese Denunciation angebracht wird, mufs jeden redlichen Mann entrüsten. Reil war einer unserer gröſs- ten Aerzte und Naturphilosophen im guten Sinne des Wortes. Ueber seinen persönlichen Charakter weiſs ich nur das, dafs er das Opfer seiner Menschenliebe und Pflichttreue wurde, als er sich im Jahre 1813 rücksichtslos den Gefahren des furchtbar wüthenden Typhus aussetzte, um dem nicht minder furchtbaren Zustand des Kriegsheil- wesens des preufsischen Heeres zu Hülfe zu kommen. Er starb am Typhus in der Blüthe seiner Jahre und Thätigkeit. Und diesen Mann wagt unser Hr. Dr.*ᷣ, wegen seines Dissertationenschreibens zu denunciren, indem er den ächt jüdischen Entschuldigungsgrund hinzusetzt:„Der treffliche Mann hatte freilich eine groſse Familie““. Er unterschiebt ihm den Grundsatz: Wenn ihrs braucht, ist alles erlaubt und recht. Aber er verschweigt, dals zu jener Zeit diese Dissertationen-Schreiberei durch die Professoren durchaus nicht den
Charakter hatte, wie heute. Daſs dieses offen und frei geschah,
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