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Unterganges ſo lebhaft wie möglich in ſich erwecken und dann ruhig ſterben zu können. Alles ging dann wieder ſeinen gewohn ten Gang— aber das Schlachtopfer war bereits zugerichtet! Im November 1850, heißt es, theilte der neue Biſchof ſein Vorha ben dem Großherzoglichen Miniſterium in Darmſtadt mit; eine Antwort von dort aber erfolgte nicht eher, als nachdem die That bereits vollbracht war. Am 3. Januar 1851 verwandte ſich noch einmal der geſammte akademiſche Senat für die Facultät; auch darauf erfolgte keine Antwort. Am Schluß des Winterſemeſters 1850/51 zweifelte in Gießen ſchon Niemand mehr, daß es mit der katholiſch⸗theologiſchen Facultät zu Ende ſei; aber auch, was geſchehen werde, wußte Niemand. Beim Wiederbeginn der Vorle ſungen ließ ſich kein katholiſcher Theolog blicken; man dachte wohl, warum; aber Niemand wußte es. Endlich, unter dem 8. Mai 1851, kam das erſte und letzte amtliche Document in der Sache nach Gießen, ein Schreiben des biſchöflichen Ordina riats zu Mainz, die Todesbotſchaft für die Facultät enthaltend worauf die Facultät nur noch erwiederte, daß ſie dieſelbe zu ihrem großen Leidweſen vernommen habe. Die beiden Schreiben, die nach allem Geſagten keines Commentars mehr bedürfen, lauten ſo: „Mainz am 8. Mai 1851. Betreffend die Errichtung einer theologiſchen Lehranſtalt am Biſchöflichen Seminar zu Mainz.— Das Biſchöfliche Ordinariat zu Mainz an den Decan der kath.⸗theol. Facultät an der Univerſität Gießen, Herrn Prof. Dr. Scharpff Hochwürden.— Ew. Hochwürden, ſowie den übrigen Herrn Profeſſoren der kath.⸗theol. Facultät iſt es ohne Zweifel längſt bekannt geweſen, daß unſer hochwürdigſter Herr Biſchof die Abſicht hege, der am hieſigen Seminar befindlichen theologiſchen Lehranſtalt eine für eine vollſtändige theologiſche Ausbildung genügende Einrichtung zu geben, und inſoferne das Studium der Theologie mit dem Alumnate ſelbſt zu verbinden. Wenn wir früher aus Gründen, welche von ſelbſt einleuchten, es nicht wünſchen konnten, dieſen Entſchluß Sr. biſchöflichen Gnaden zum Gegenſtande unbedingter Publicität werden zu ſehen: ſo ha⸗ ben dieſe Gründe dermalen aufgehört platzgreifend zu ſein; und


