Agitationen durch Vereine ꝛc. zu erinnern. Auf der anderen Seite hat man auch oft genug das Zuſammengehen der Hierarchie mit der Despotie geſehen. Mit einem Wort: die Maaßregel, den Biſchöfen eine blind ergebene Anhängerſchaar in der aus⸗ ſchließlich von ihnen gebildeten Geiſtlichkeit zu verſchaffen, mag den Biſchöfen ſelbſt und dem Pabſte als etwas ſehr Vortheil⸗ haftes erſcheinen; die übrige Geſellſchaft und namentlich der ge⸗ ſammte niedere Clerus gewinnt nichts dabei. Vielmehr wird dieſer letztere durch die ihm auferlegte Sklaverei nur entwürdigt und demoraliſirt, und das Ende vom Liede iſt, daß derſelbe ſtatt liebevollen und vernünftigen Gehorſams nur noch Haß und bittere Feindſchaft gegen ſeine Dränger empfindet und bei erſter Gelegen⸗ heit ſich auch hier bewähren wird, was Schiller geſagt hat: Vor dem Sklaven, der die Kette bricht—
Vor dem freien Mann erzittere nicht!
Erwägen wir dieſe, wie es uns ſcheint, keineswegs unge⸗ wichtigen Gegengründe, die ſich gegen die vom Pabſte verlangte Maaßregel einer bloßen Seminarbildung der katholiſchen Geiſtlichkeit in der Oberrheiniſchen Kirchenprovinz geltend machen ließen: ſo werden wir es gewiß mehr als begreiflich finden, daß die deutſchen Regierungen durch eine ſolche Forderung ſich keines⸗ wegs beirren ließen, vielmehr die von ihnen beſchloſſene Maaß⸗ regel der für beſagte Geiſtlichkeit anzuordnenden Univerſitäts⸗ bildung ungeſäumt ins Werk richteten und ſo auch namentlich der Großherzog von Heſſen mit der Gründung der katho⸗ liſch⸗theologiſchen Facultät zu Gießen vorſchritt. Da⸗ bei haben wir noch zu erwähnen, daß bereits in den Frankfurter Berathungen vom Jahre 1818 ſich als einer der Thätigſten für dieſen Zweck der badiſche Abgeſandte, Dekan Burg, bewieſen hatte und daß dann eben dieſer Mann auf Betrieb der Großh. Heſſiſchen Regierung am 13. Januar 1830 unter dem Namen Joſeph Vitus Burg auf den biſchöflichen Stuhl zu Mainz erhoben ward. Nebſt ihm war der bereits ſeit 1829 im Großh.


