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Seiten deſſen, der dieſe Opfer zu bringen hat, gewiß etwas ſehr Schönes und Erhebendes ſind und bei denen unter dieſer Be⸗ dingung das Volenti non fit injuria gilt. Aber hat darum auch Jemand das Recht, einem Andern, der nicht weiß was er thut, und wenn er es wüßte, es nicht wollte, Opfer dieſer Art aufzulegen? Iſt nach dem Evangelium, ein Eunuch um des Himmels willen zu ſein, beſſer als Heirathen: hat darum auch Jemand das Recht, einen Andern zum Ennuchen zu machen? Ob dies durch phyſiſchen oder geiſtigen Zwang geſchieht, iſt der Sache noch gleich. Das Erſtere halten Alle für ſchändlich, ſelbſt wenn man auch ſo hier und da Kirchenſänger gewonnen hat. Auch das Andere wird, unter der Vorausſetzung eines wirklich dabei angewandten Zwanges, wohl ebenfalls von niemanden als ein gutes Werk, zu dem er ſich bekennt, bezeichnet werden. Nun aber ſehe man die Sache ſelbſt an. Erſtlich arme Eltern— und auf ſie war es ja beſonders und ſogar ausdrücklich den Worten des Concils nach abgeſehen— ſollen durch das Verſprechen ko⸗ ſtenfreier Erziehung(alſo geradezu durch Geld), ſowie nach⸗ herigen wünſchenswerthen, reichen und ehrenvollen Lebens ihrer Kinder dazu vermocht werden, dieſe in einem noch„zarten Alter“ einer ſolchen Anſtalt zu übergeben. Zweitens, trotz der Anerken⸗ nung, daß es zweierlei Leben gibkt, ein geiſtliches und ein welt⸗ liches, die beide gut ſeien, und alſo auch zwei Wege, die beide zum Himmelreich führen, ſind doch alle Einrichtungen und Vor⸗ ſchriften der Anſtalt darauf berechnet, den einen dieſer Wege in allen ſeinen Anfängen als ſchlecht und verwerflich zu bezeichnen; und es werden Zureden, körperliche Züchtigungen, Angriffe an der Ehre u. ſ. w. mit pädagogiſcher Ueberlegung angewandt, um die Zöglinge dahin zu bringen, daß ſie nur den andern Weg ein⸗ ſchlagen. Drittens, nachdem die ganze Zeit der Erziehung damit zugebracht iſt, den jungen Mann nur für die Geſchäfte eines Standes zu befähigen, und ſo hier noch die Sorge für Leben und Brod zu Hülfe genommen, wie zur Warnung dort die Schande aufgeſtellt iſt— läßt man ihn wählen! Die


