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Geschichte der katholisch-theologischen Facultät zu Gießen : eine allen Theologen Deutschlands gewidmete Denkschrift / von Anton Lutterbeck, Doctor der Philosophie und der kath. Theologie, öffentl. ord. Professor der class. Philologie an der Universität zu Gießen
Entstehung
Seite
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insbeſondere den katholiſchen Facultäten daran die ihnen früher ertheilten Privilegien auf's Feierlichſte wieder zugeſichert, und außerdem auch noch in Betreff der Seminarien die Vorſchrift gegeben, daß in denſelben alle wichtigeren Unterrichtsgegenſtände von Doctoren, Magiſtern und Licentiaten d. h. alſo förmlich auf Univerſitäten Graduirten oder gleich gut geeigneten Lehrern vorzutragen ſeien. Auch lagen ſolche Wahrungen dem Concil nahe genug. Denn die mittelalterlichen Univerſitäten, hervorgewachſen aus dem wiſſenſchaftlichen Bedürfniß der Zeit, waren von Päbſten und Kirchenfürſten nicht minder, als von Kaiſern und Königen auf die mannigfachſte Weife unterſtützt und gefördert worden, trotz dem daß auch ſie, was z. B. das Leben vieler Studierenden betraf, ihre ſehr dunkeln Schattenſeiten hatten. An denſelben Univerſitäten hatten die berühmteſten Theologen jener Zeit gelehrt; hier war die geſammte Theologie und Philo⸗ ſophie des Mittelalters zur Blüthe gebracht worden; und dem Concil von Trient ſelbſt war es ganz wohl bewußt, wieviel es namentlich in ſeinen dogmatiſchen Beſtimmungen der mittelalter⸗ lichen Univerſitätswiſſenſchaft verdankte. Aus allen dieſen Grün⸗ den konnte es dem Concil nicht einfallen, die Univerſitäten be⸗ ſeitigen und an deren Stelle allein die von ihm angeordneten Seminarien ſetzen zu wollen. Der Pabſt dagegen, obgleich er in der Bulle vom 16. Auguſt 1821 die Exiſtenz der hohen Schule in Freiburg anerkannte, wollte ſonſt überall nur Semi⸗ narien, indem er von der deutſchen Univerſitätsbildung überhaupt wie mit einer Art Schrecken und ſichtlichem Abſcheu ſprach. Von einem rein wiſſenſchaftlichen Intereſſe, wie es offenbar die großen Theologen und Kirchenfürſten des Mittelalters bei ihrer Empfehlung der Univerſitätsſtudien hatten, und wie es wohl auch den meiſten Vätern des Concils von Trient noch innewohnte, bemerkt man bei Allem, was der Pabſt von den deutſchen Regierungen des 19. Jahrhunderts für die Bildung der katholiſchen Geſſtlichkeit verlangte, auch rein gar nichts. Und ebenſo wenig kommt die nur auf eigener freier Selbſtbeſtimmung beruhende Cha⸗ rakterbildung der Studierenden, auf die es bei unſern deut⸗

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