Menſchheit ſorgen zu können, als wenn man ſie ſtets in der Un⸗ ſchuld erhält und von aller Verſuchung bewahrt, wogegen es gewiß iſt, daß das wirkliche Heil nur in der durch die Verſuchung bewährten Tugend gefunden werden kann. Dabei verſteht es ſich, daß es an und für ſich ein thörichtes Beſtreben iſt, die Menſchen etwa durch Einmauerung vor aller Verſuchung be⸗ wahren zu wollen: man bewahrt ſie ſo nicht vor Verſuchung, ſondern verſetzt ſie nur in Verſuchungen anderer Art, die unter Umſtän⸗ den noch weit ſchlimmer ausſchlagen können, und beraubt ſie zugleich durch ſolche Maaßregeln des Glückes einer wahren, allge⸗ mein⸗menſchlichen Bildung.
Iſt ſchon hieraus erſichtlich, daß es nach dem Umſturz aller katholiſch⸗kirchlichen Verhältniſſe in Deutſchland durch die fran⸗ zöſiſche Revolution und die ihr folgenden Jahre der Fremdherr⸗ ſchaft allerdings ein ſehr tiefes und vornehmlich katholiſches In⸗ tereſſe war, wenn für die Bildung der katholiſchen Geiſtlichkeit durch Schulen und Univerſitäten neuerdings und beſſer als ſeit Jahrhunderten geſorgt wurde: ſo nöthigt uns der Widerſpruch, den gerade die Hierarchie hiergegen erhob, noch etwas näher auf das einzugehen, was ſie für ihre Zwecke an der Stelle des von den deutſchen Regierungen Beabſichtigten und Durchgeführten verlangte. Anſtatt der Schulen und Univerſitäten nämlich wollte der Pabſt Seminarien und er berief ſich dafür auf das Concil von Trient(23, 18), wodurch angeordnet war, daß„in jeder Diöceſe aus den Mitteln der Kirche Seminarien errichtet und in dieſen Knaben vom zwölften Jahre ihres Alters an, vorzugsweiſe aus den ärmern Ständen, auf Koſten der Kirche für den geiſtlichen Stand erzogen und gebildet werden ſollten.“ Hierbei iſt, um das Recht einer ſolchen Berufung zu erörtern, zunächſt auf den Unter⸗ ſchied aufmerkſam zu machen, der zwiſchen dem, was der Concil eigentlich vorſchreibt, und dem, was der Pabſt daraus folgert, obwaltet. Das Concil verlangt zwar Seminarien, aber nicht blos Seminarien mit Ausſchluß der Univerſitäten als Bildungs⸗ anſtalten für die Geiſtlichkeit. Vielmehr werden vom Concil wiederholt(7, 13. 14, 5. 25, 6. u. ſ. w.) den Univerſitäten und


