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Geschichte der katholisch-theologischen Facultät zu Gießen : eine allen Theologen Deutschlands gewidmete Denkschrift / von Anton Lutterbeck, Doctor der Philosophie und der kath. Theologie, öffentl. ord. Professor der class. Philologie an der Universität zu Gießen
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Mittelalter die akademiſche Freiheit geweſen iſt, und daß, als dieſe aus Beſorgniß vor dem Umſichgreifen des Proteſtantis⸗ mus ſeit dem Concil von Trient mehr und mehr beſchränkt wurde, auch die Theologie nothwendig überall Rückſchritte machen mußte. Allerdings kann die Theologie nur im Vereine mit allen andern Wiſſenſchaften, alſo nur an der Univerſität, blühen und die ihr angemeſſene Stelle behaupten; aber doch iſt es nicht ſowohl die Univerſität oder die Sammlung aller Wiſſenſchaften und Facultäten an einem Ort, als vielmehr nur die an ihr herr⸗ ſchende akademiſche Freiheit, die als die Grundbedingung für das Gedeihen wie aller Wiſſenſchaften, ſo namentlich der Theologie angeſehen werden muß. Es nutzt daher auch nichts, zur Hebung des Katholicismus ſogenanntekatholiſche Univer⸗ ſitäten gründen zu wollen; denn ihrem Begriffe nach ſindkatho⸗ liſche Univerſitäten ſolche, die unmittelbar unter dem Einfluß der Hierarchie ſtehen d. h. keine akademiſche Freiheit haben und alſo gerade deſſen entbehren, was die Univerſität zur Uni⸗ verſität macht! Dies alles einer engherzig⸗hierarchiſchen Theorie gegenüber beweiſen zu wollen, iſt vergebliche Mühe, weil man, um über die unentbehrlichen Bedingungen der Wiſſenſchaft ur⸗ theilen zu können, ſelbſt im Beſitz der Wiſſenſchaft ſein muß, was bei einer ſolchen Theorie ganz unmöglich iſt. Man ſpricht von dieſer Seite her immer nur von den Gefahren der Frei⸗ heit, und nach Beiſpielen, daß dieſe Gefahren häufig genug zu wirklichem Verderben ausgeſchlagen ſind, braucht man freilich nicht weit zu ſuchen; aber man ſpricht niemals von den Ge⸗ fahren oder vielmehr von dem ſchon von vorn herein vorhan⸗ denen Verderben der Unfreiheit, die jedes höhere Entfalten des geiſtigen Lebens erdrückt und gar nicht aufkommen läßt. Uebrigens iſt der Hauptgrund dieſer Theorie der Unfreiheit ſitt⸗ licher Natur, nämlich ein anſcheinend wohlgemeintes, aber doch der göttlichen, ſchon ſeit dem Beginne der Menſchheit getroffenen, Anordnung ſich blind widerſetzendes Verkennen des Weſens der Verſuchung und daher auch des Unterſchiedes zwiſchen Unſchuld und Tugend. Man glaubt nicht beſſer für das Heil der