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Staudenmeier, Hirſcher, Klee, Scholz, Döllinger, Kuhn u. A., kein katholiſcher Theolog ſeit der Reformation weder in noch außer Deutſchland mit Bezug auf gründliche Kenntniſſe, geiſtvolle Behandlung ſeiner Wiſſenſchaft und allge⸗ meine Anerkennung an die Seite geſetzt werden kann. Mögen alſo die deutſchen Regierungen bei ihrem Bemühen, für die Bil⸗ dung der katholiſchen Geiſtlichkeit durch Schulen und Univerſitäten zu ſorgen, im Grunde ihres Herzens noch ſo feindſelige und wahrhaft verrätheriſche Abſichten gehegt haben: thatſächlich ſehen wir nichts davon, ſondern im Gegentheil— gerade die Lehrer, welche jene Regierungen an ihre Unterrichtsanſtalten berufen haben, und keine Andere, ſind diejenigen geweſen, von denen vor Allen die geiſtige Wiederbelebung des Katho⸗ licismus bei uns ausgegangen iſt.*
Aber auch abgeſehen von dieſer Thatſache, die bei der Grün⸗ dung der neuern katholiſch⸗theologiſchen Facultäten an deutſchen Univerſitäten freilich noch eine zukünftige war und erſt jetzt, nach mehr denn dreißig Jahren, eine geſchichtliche geworden iſt: welcher Verſtändige und Wohlmeinende konnte es damals und kann es auch jetzt noch verkennen, daß das dem Katholicismus unſerer Zeit am meiſten Noththuende die Wiſſenſchaft iſt? Wir verkennen durchaus nicht den Werth der Frömmigkeit, der Selbſt⸗ entſagung, des Gehorſams, der Demuth u. ſ. w.; aber damit allein iſt es doch nicht gethan, ſchon deßhalb weil eine Frömmig⸗ keit ohne Wiſſenſchaft, eine Wärme ohne Licht, nicht das iſt, was man wahrhaft lieben und achten kann. Gerade die Achtung iſt es, die am meiſten dem Katholicismus in Deutſchland fehlt, und dieſer ſein Mangel hat vor Allem ſeinen Grnnd in dem Mangel an Wiſſenſchaft, der ſelbſt wieder ſeinen Grund in Verhältniſſen hat, welche überall im Katholicismus dermalen vorherrſchen und ihrer Natur nach eine Wiſſenſchaft kaum auf⸗ kommen laſſen. Die Wiſſenſchaft iſt nämlich bedingt durch Frei⸗ heit; dieſe aber iſt in der katholiſchen Theologie dermaßen beſchränkt durch die kirchliche Hierarchie, daß das einzige Mittel, wodurch die Theologie zu ihrer Ausbildung kommen konnte, ſchon im


