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Geschichte der katholisch-theologischen Facultät zu Gießen : eine allen Theologen Deutschlands gewidmete Denkschrift / von Anton Lutterbeck, Doctor der Philosophie und der kath. Theologie, öffentl. ord. Professor der class. Philologie an der Universität zu Gießen
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des vorigen und im Anfang dieſes Jahrhunderts? Man nehme z. B. nur das Eine, was freilich der Werthmeſſer des Ganzen iſt, den Zuſtand der katholiſch⸗theologiſchen Wiſſen⸗ ſchaft und insbeſondere der katholiſchen Dogmatik in dieſer Zeit, und höre, was darüber ein urtheilsfähiger Mann, Kuhn in Tübingen, ſagt. Nach ihm(Dogmatik Heft 1, S. 272) be⸗ fand ſich damals die Dogmatik in dem Standeihrer tiefſten Erniedrigungn, und Werke, wie die von Liebermann, in ihrer neuſcholaſtiſchen(jetzt auch von dem Jeſuiten Perrone, nnur noch abſtoßender, wieder beliebten) Form ſind für uns faſt ungenießbar⸗(Ebd. S. 296). Wie es dann erſt in andern Beziehungen ausſah, iſt aus der Kirchengeſchichte erklecklich bekannt, worüber wir hier nur auf einen Aufſatz von Möhler über die Verdienſte der holländiſchen Regierung um die Hebung der katho⸗ liſchen Wiſſenſchaft in Belgien(in der Tübinger Quartalſchrift etwa um das Jahr 1827 erſchienen) und Scharpff' Neueſte Kirchengeſchichte(Freiburg 1852. Heft 2, S. 119 ff.) verweiſen. Fragen wir dann aber: Wodurch iſt ſpäter der Katholicismus in Deutſchland wieder gehoben, wodurch ſind ſeine Zuſtände wieder gebeſſert worden? ſo wiſſen wir keine andere Antwort zu ertheilen, als: durch die ſeit 1815 theils neu errichteten, theils neu gepflegten Schulen, und zwar Schulen, die nicht durch den Clerus, oftmals ohne ihn, und ſehr häufig ſogar trotz ihm von den deutſchen Regierungen ins Leben gerufen wor⸗ den ſind! Um aber in dem eben vorliegenden Fall ſogleich ſtatt aller Vorausſetzungen den Erfolg, ſtatt der leeren, rein nur ange⸗ nommenen, Verdächtigung die klare geſchichtliche Thatſache ſprechen zu laſſen: ſo iſt es unbeſtreitbar, daß die katholiſch⸗ theologiſche Wiſſenſchaft in Deutſchland, die wie geſagt bis dahin ſeit langem völlig darnieder lag, gerade an den ſeit dem Vorgange Preußens mit Bonn(1819) ihr zuerſt geöffneten deutſchen Univer⸗ ſitäten Trübingen, München und Gießen, ſamt Freiburg, Breslau, Münſter und Würzburg, eine Pflege und Ausbil⸗ dung gefunden hat, wie dies ſeit Jahrhunderten nicht mehr geſchehen war; und daß Männern, wie Hug und Movers, Möhler und