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Geschichte der katholisch-theologischen Facultät zu Gießen : eine allen Theologen Deutschlands gewidmete Denkschrift / von Anton Lutterbeck, Doctor der Philosophie und der kath. Theologie, öffentl. ord. Professor der class. Philologie an der Universität zu Gießen
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und in einem vom Staat angeordneten Examen(examine publico) geprüft und beſtanden als der Aufnahme würdig befunden wor⸗ den ſind. Den Zugelaſſenen wird der zur Erlangung der höheren Weihen nöthige Tiſchtitel von dem Landesfürſten zuertheilt wer⸗ den. Auch werden der Provinz nicht akademiſche Inſtitute fehlen, damit die, welche ſich den heiligen Dienſten zu widmen wünſchen, in den theologiſchen Wiſſenſchaften Unterricht erhalten. (Neque deficient provinciam instituta academica, ut ii, qui sacris se ministeriis devovere cupiunt, in theologicis dis- ciplinis erudiantur).

Der Pabſt war mit dem Inhalt dieſer Zuſage keineswegs einverſtanden, wie aus der von dem Cardinal Conſalvi unter⸗ zeichnetenDarſtellung der Geſinnung Sr. Heiligkeit über die Declaration ꝛc. vom 10. Auguſt 1819 erhellt. Hier heißt es wörtlich*):

Was aber am meiſten die Sorge des h. Vaters in Hin⸗ ſicht der Seminarien, welche der Gegenſtand der zärtlichſten Sorgfalt für die katholiſche Kirche ſind, in Anſpruch nimmt, iſt die Form, welche man dieſen Seminarien anpaſſen will. Aus dem letzten Abſatz des vierten Artikels hat Se. Heiligkeit erſehen, daß Schulen der heiligen Wiſſenſchaften auf den Univerſitäten errichtet und daß folglich in die Seminarien nur erwachſene Jüng⸗ linge aufgenommen werden ſollen, um daſelbſt das Praktiſche ihres heiligen Amtes, die Paſtoralpflichten, die Liturgie und an⸗ dere dergleichen Gegenſtände zu erlernen. Eine Geſtaltung in⸗ deſſen, welche der vom Trienter Concil feſtgeſetzten geradezu ent⸗ gegen iſt, welche dem Zweck widerſtreitet, den die Kirche bei Er⸗ richtung der Seminarien ſich vorſteckte, und welche die Rechte der Biſchöfe in Anordnung der Erziehung und des Unterrichtes der Weltgeiſtlichen in den ihrem Stande nothwendigen Kennt⸗ niſſen verletzt, kann von dem heil. Vater nicht genehmigt werden. Das heilige Concil von Trient, welches in der 23. Sitzung von

*) S. Freiburger Kirchenlexikon Band X, S. 51 ff.