Die Gründung der katholiſch⸗theologiſchen Faenltät zu Gießen.
Der Gevanke, für die Bildung der katholiſchen Geiſtlichkeit in dem Theile Deutſchlands, der zu den Zeiten des Reiches hauptſächlich den Oberrheiniſchen Kreis, ſpäter mit einiger Er weiterung die Oberrheiniſche Kirchenprovinz, nämlich die Staaten Württemberg, Baden, Heſſen⸗Darmſtadt, Heſſen⸗Kaſſel, Naſſau und Frankfurt, oder die Bisthümer Freiburg, Rottenburg, Mainz, Fulda und Limburg, umfaßte, theils durch die Grrichtung von katholiſch⸗theologiſchen Facultäten an den Landesuniverſitäten, theils durch biſchöfliche Seminarien zu ſorgen, war zuerſt in den, die Angelegenheiten der katholiſchen Kirche betreffenden, Frank furter Berathungen der erwähnten deutſchen Regierungen vom 20. März bis zum 7. October 1818 in Anregung gebracht won
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den. In der dem Staatsvertrage vom 7. October 1818 beige legten Declaration, welche am 24. März 1819 von ven bei den Geſandten jener Staaten, dem Freiherrn von Schmitz Grollenburg und dem Freiherrn von Türkheim, dem Pabſte Pius VII. mitgetheilt wurde, heißt es wörtlich*⁴):
„IV. Die biſchöflichen Seminare, welche zu Rottenburg, Meersburg(das nach Raſtatt zu verlegen) und Mainz ſchon beſtehen, um die dem geiſtlichen Stande ſich widmenden Jüng linge zu bilden, werden erhalten werden. Wo aber Seminare noch nicht beſtehen, da wird man Sorge tragen, daß entweden neue errichtet oder die Jünglinge in ein anderes ſchon gegrün detes biſchöfliches Seminar innerhalb der Provinz aufgenommen werden. In die Seminare werden von den Biſchöfen nur Solche aufgenommen werden, welche ausgezeichnet durch Sittenreinheit
*) Siehe den Abdruck der lateiniſch abgefaßten Declaratio in dem Auf
ſatz: die Oberrheiniſche Kirchenprovinz, ein Promemoria für veutſche Staats männer(beutſche Blätter für Proteſtanten und Katholiken, Eine hiſt,⸗polit Zeitſchrift in zwangloſen Heften, Viertes Heft, Heidelberg 1840, 73——60)
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