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Geschichte der katholisch-theologischen Facultät zu Gießen : eine allen Theologen Deutschlands gewidmete Denkschrift / von Anton Lutterbeck, Doctor der Philosophie und der kath. Theologie, öffentl. ord. Professor der class. Philologie an der Universität zu Gießen
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die wenigſtens vorübergehend dem Grundübel, um das es ſich hier handelte, einigermaaßen abzuhelfen beſtrebt war. Und auch das möchte nicht unerfreulich zu bemerken ſein, daß die Triebkraft des Geiſtes, ähnlich der Triebkraft der Natur, nur einiges Son nenſcheins und Regens bedarf, um ſelbſt noch das alte Gemäuer einer verfallenen Ritterburg wieder hier und dort mit friſchem Grün zu überziehen. Denn nur damit freilich laſſen ſich zur Zeit die Ausſichten und Hoffnungen der katholiſchen Theologie vergleichen, nicht etwa gegenüber ihren erklärten Feinden, die es kaum noch gibt, weil ſie ja ſelbſt nur kaum noch exiſtirt, ſondern gegenüber denen, die von Gott und Rechtswegen ihre Freunde und Förderer ſein ſollten!

Als wir uns daher entſchloſſen, von der Geſchichte der katholiſch⸗theologiſchen Facultät zu Gießen eine zwar kurze, aber aus den nächſten uns zuſtehenden Quellen entnommene Darſtel⸗ lung zu geben, glaubten wir es uns zur erſten Pflicht machen zu müſſen, Alles der ſtrengen Wahrheit gemäß zu berichten, ohne Haß, aber auch ohne Rückhalt und Bemäntelung. Gerade leicht war dies nicht, theils wegen der nahen Beziehungen, in denen hier der Darſteller mit dem von ihm Dargeſtellten ſtand, theils wegen des Zwieſpaltes der Partheien, die ſich an dieſer Geſchichte betheiligt haben und von denen die eine loͤbt, was die andere verwirft, und dieſe preiswürdig findet, was jene zurückweiſt. Unſer Streben ging dahin, keine Partheiſchrift zu liefern, und noch weniger eine Vertheidigungsſchrift, da es einer ſolchen in dieſem Falle gar nicht bedurfte, vielmehr gerade die Perſönlich⸗ keiten der Facultätsmitglieder als ſolche, wenigſtens die in der letzten Zeit ihr angehörigen, hier bekanntlich faſt ganz außer dem Spiele geblieben ſind. Aber damit ſoll doch nicht geſagt werden, daß wir uns auch alles Urtheils für und wider enthalten wollten; im Gegentheil werden wir uns darin der völligſten Unabhängig⸗ keit nach allen Seiten hin bedienen.

Wir behandeln die Geſchichte der Facultät in drei Theilen, indem wir zuerſt von ihrer Gründung, ſodann von ihrem Be⸗ ſtande, und zuletzt von ihrer Auflöſung ſprechen.