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hindern, daß nach einer commiſſariſchen Unterſuchung das Abhalten der collegia pietatis erlaubt und Jemand des Pietismus zu verdächtigen verboten wurde, indem Niemand irriger Lehre ver⸗ dächtig und ungeziemender Neuerung ſchuldig befunden worden ſei. Hanneken ging 1693 im Zorn nach Wittenberg, und als im Jahre 1695 die Anklage wegen pietiſtiſcher Richtung erneuert wurde, ſo prallte der abgeſchoſſene Pfeil auf die antipietiſtiſchen Ankläger zurück; die Pro⸗ feſſoren der Philoſophie Balthaſar Mentzer III. und Philipp Caſimir Schloſſer wurden entlaſſen, Heinrich Phaſianus und Gregor Nitzſch auf einige Monate ſuſpendirt.
Für die luther'ſche Kirche iſt das Auſtreten und der Einfluß des Pietismus ſehr bedeutungs⸗ voll und folgenreich geworden. Denn das dürfte ſich bei fortgehender Vergleichung immer deut— licher herausſtellen, daß, ſo ängſtlich er ſich auch den Anſpruch auf Orthodoxie zu wahren ſucht und ſich hütet voreilige Unions-Neigungen kund zu geben, daß doch mit ihm und durch ihn das Eindringen reformirter Elemente in die luther'ſche Kirche beginnt; ferner daß durch ihn und die an ihn ſich anknüpfende Entwickelung die ſoeben noch in den ſynkretiſtiſchen Streitigkeiten mit großer Heftigkeit zurückgewieſene Union mit den Reformirten ſich anbahnt und immer mehr voll⸗ zieht, unmerklich, geräuſchlos, langſam, aber ſicher, ſo daß dieſe Union nicht als eine willkürliche Erfindung unpraktiſcher Köpfe verdächtigt werden darf, ſondern als ein Gedanke angeſehen werden muß, der durch eine lange geſchichtliche Entwickelung ſich hindurchſchlingt und durch ſie uns auf⸗ genöthigt worden iſt. Wunderbares Walten! Das reine Lutherthum, das durch die Stiftung unſerer Univerſität für alle Zeiten gewahrt und geſichert ſein ſollte, mußte endlich eine Verſchmel⸗ zung mit der Richtung eingehen, vor welcher es ſich hierher nach Gießen gerettet hatte! ſo wenig fragt unſer Herr Gott, oder wenn man das lieber hört, die vorwärts treibende Macht der Ge⸗ ſchichte auf dem Gebiete des ſittlichen und religöſen Lebens nach alten Statuten, nach verbrieften Rechten!
Und Mai blieb nicht allein, neben ihm und nach ihm traten ſolche ein, die auch ſeines Geiſtes Kinder waren, ja die Principien zu noch weiter führenden Richtungen in ſich trugen. Wir nennen nur aus der nächſten Zeit Johann Chriſtoph Bielenfeld, Johann Ernſt Ger⸗ hard und ihn vor allen, den trefflichen Johann Jacob Rambach. Freilich es kam auch wieder einmahl ein Benner, dieſer eitle und ehrbedürftige Mann, welcher in unſerm Dekanats⸗ buche nicht bloß wilde Diſtichen gegen Carl Friedrich Bahrdt und gegen den famosus Vol- taerius verewigt, ſondern auch der Nachwelt die Verſicherung gegeben hat, daß er mit den von ſeinem Collegen Bechtold in einer Doctoraldiſſertation de praescientia divina futurorum con- tingentium vorgetragenen Anſichten weder übereinſtimme noch jemals übereinſtimmen werde! Mochte er ſich noch ſo ſehr als der Hort der Orthodoxie gebärden, er konnte doch damit weder ſich ein glorreiches Andenken ſichern, noch das Vorwärtsdrängende in ſeine alten Formen zurückdrängen. Und das wird ja auch nie gelingen; gelänge es aber, die Theologie wieder auf den alten Punct zu ſtellen, nun ſo würde ſie den ſchon einmahl zurückgelegten Entwickelungsgang wiederholen müſſen und ein Jahrhundert verloren haben. Doch vor dieſer Gefahr bewahrt ſie der akademiſche Bund
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