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der Wiſſenſchaften und die davon nicht zu trennende Nothwendigkeit, daß ſie ſich immer als ein Glied in dem Organismus der Wiſſenſchaften denken und ihre Uebereinſtimmung mit demſelben ſuchen muß; es bewahrt ſie die Weisheit erleuchteter Fürſten, welche dem akademiſchen Leben ſeine Fülle und Mannichfaltigkeit laſſen und es nicht nach dem Rathe beſchränkter Praktiker auseinander faſern und aufdröſeln. Darum hat grade auch der rechte Theolog eine Herzensfreude an dem Blühen der Univerſitäten und er findet auch in ſeinem wiſſenſchaftlichen Bedürfniß einen Grund mit dankbarem Gemüthe der Fürſten zu gedenken, welche den Baum der Viſeenſchaft fröhlich wachſen und ſich nach allen Seiten hin verzweigen laſſen, ohne allzuſehr an ihm zu ſchneiden, in der Meinung die wilden Schößlinge und Waſſerreiſer zu vertilgen. Aber alle Freude würde bald erheblich gedämpft werden, wenn nicht auch Sie, geehrte Herren Commilitonen! zur Erhaltung und zum Gedeihen des akademiſchen Lebens dadurch beitragen wollten, daß ſie nicht den Geiſt der Wiſſenſchaft betrüben, ſondern ſichſ von ihm erfüllen laſſen— denn aus Ihnen ſollen die kommen, welche beſtimmt ſind einmahl die von uns verlaſſenen Katheder einzunehmen. Wenn in alter Zeit ein Doctor creirt wurde, ſo wurde ihm ein erſt geöffnetes und dann geſchloſſenes Buch in die Hand gegeben, zum Zeichen, daß er Tag und Nacht aus Büchern lernen, aber auch nach der wiſſen⸗ ſchaftlichen Unabhängigkeit von ihnen ſtreben ſolle; es wurde ihm der Doctorhut aufgeſetzt, zum Zeichen, daß er in der Wiſeenſchaft ein freier Mann ſei, deſſen Erkenntniß nicht den Winken Anderer folge, noch fremder Begierde ſich dienſtbar mache; es wurde ihm der goldene Ring ange⸗ ſteckt und der Kuß gegeben, mit welchem er ſeiner Wiſſenſchaft verlobt wurde, um ihr zugethan zu bleiben in unwandelbarer Treue; es traten vor ihn Knaben mit angezündeten Fackeln, zum Zeichen, daß er in liebevoller und lauterer Geſinnung das Licht der Wiſeenſchaft in die Finſterniß bringen ſolle. Meinen Sie, m. H. das gehe nur die Doctoren an? Nein,—in dieſen ſinnigen bedeutungsvollen Symbolen iſt der Geiſt ächter Wiſſenſchaftlichkeit charakteriſirt, wie er allerdings in den Doctoranden am deutlichſten ſich zu erkennen geben, aber zugleich in der ganzen akademiſchen Gemeinde leben muß, wenn der Beſtand der Univerſitäten und das Gedeihen der Wiſſenſchaft wieder eine Generation weiter verbürgt ſein ſoll. Darum ſei jener Geiſt auch unter uns zu aller Zeit lebendig, dann, meine jungen Freunde! können auch die Alten in Ihr Gaudeamus einſtimmen, ohne in ihrer Freude geſtört zu werden durch die Zeile: nos habebit humus!
Ich habe geſprochen.


