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Das erste Jahrhundert der theologischen Facultät in Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1858 gehalten / von dem Rector der Ludwig-Universität Dr. Friedrich Hermann Hesse, ordentlichem Professor der evangelischen Theologie und Universitäts-Prediger
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die katholiſche Kirche vorläufig im Beſitze der Wahrheit ſei und das Recht darauf ſo lange bean⸗ ſpruchen könne, bis die Proteſtanten als Opponenten ihnen die Unrechtmäßigkeit des Beſitzes mit klaren Schriftſtellen direct, ohne Folgerungen zu Hilfe zu nehmen, erweiſen würden, bald mußte er ſich der Behauptung widerſetzen, daß man ſich ſchlechterdings auf die Autorität der unter dem Papſt ſtehenden Kirche zu verlaſſen habe, um den wahren Sinn der h. Schrift zu erkennen, weil zur Auslegung der letzteren die Erleuchtung durch den heiligen Geiſt nothwendig ſei, der Geiſt aber nur jener Kirche beiſtehe, von welcher der Papſt das Haupt ſei; dann hatte er auch wieder den Satz der Lutheraner, daß ihre Kirche nicht neu, ſondern die alte und urſprüngliche Kirche Chriſti ſei, gegen den Jeſuiten Forer in Schutz zu nehmen, der in ſeiner Spottſchrift ovum ante gal- linam die höhnende Frage der Gebrüder Walenburg wiederholt hatte, wo denn die wahre Kirche vor Luther geweſen ſei. Am tiefſten war er wohl mit katholiſchen Gegnern verwickelt, als es ſich 1651 um die Convertirung des reformirten Landgrafen Ernſt von Heſſen⸗Rheinfels handelte. Dieſer war 1648 von dem kaiſerlichen General Lamboy gefangen genommen und in der Gefan⸗ genſchaft mit Jeſuiten bekannt geworden. Die Bedenklichkeiten, welche ihm dieſe beibrachten, der Verdruß über die Streitigkeiten in den proteſtantiſchen Kirchen mögen in ihm den Entſchluß zur Reife gebracht haben, zum Katholicismus überzugehen. Der Uebertritt war ſchon eine beſchloſſene Sache, als der Landgraf, um ſich den Schein reiflicher Ueberlegung und wohlerwogener Ueberzeugung zu geben, ein öffentliches Religionsgeſpräch zu veranſtalten beſchloß. Von katholiſcher Seite waren einige Kapuziner dazu auserſehen, unter denen Valerianus Magnus aus Mailand, der auf Bekehrungen in Deutſchland reiſte, der Wortführer war; von protſſtantiſcher Seite ſollten Georg Calixt von Helmſtädt, Crocius von Marburg und unſer Haberkorn eintreten. Dies öffentliche Religionsgeſpräch kam nicht zu Stande, weil man ſich über die Bedingungen nicht einigen konnte; dagegen fand im December 1651 zu Rheinfels vor dem Landgrafen ein Privat⸗ geſpräch zwiſchen drei Kapuzinern und drei von Landgraf Georg II. mit Inſtructionen verſehenen heſſiſchen Theologen Statt, unter denen Haberkorn der Sprecher war, indem ihm Balth aſar Mentzer II. und der Inſpector Happel aus Alsfeld, letzterer beſonders als Protokollführer, zur Seite ſtanden. Neben den Geſprächen, an denen ſich auch einmahl Jeſuiten von Mainz, P. Cornäus an der Spitze betheiligten, aber bald wieder das Feld räumten, gingen ſchriftliche Verhandlungen her, die zuletzt in einen öffentlichen Schriftenwechſel ausliefen, als das Geſpräch reſultatlos abgebrochen wurde, weil Valerian, anſtatt bei der Sache zu bleiben, zu Verdäch⸗ tigungen des moraliſchen Charakters Luthers überging und vom Landgrafen nicht zur Ordnung gewieſen wurde. Fruchtlos waren die Verhandlungen, die ſpäterhin(1653) noch einmahl in einem Geſpräch mit dem Jeſuiten Roſenthal erneuert wurden, bei dem Landgrafen, indem dieſer gleich nach dem Rhein⸗ felſer Geſpräch nach Cöln reiſte, um dort den Uebertritt zu vollziehen; dagegen blieben ſie nicht ohne Eindruck auf Valerianus Magnus ſelbſt, der ſich in der Folge zu Conceſſionen verleiten ließ, die ihm arge Beſeindungen von Seiten der Jeſuiten zuzogen. Würdig und anſtändig, freimüthig und feſt zeigt ſich Haberkorn bei dieſer ganzen Angelegenheit, ſo daß er ſich nicht bloß das 2*