Druckschrift 
Das erste Jahrhundert der theologischen Facultät in Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1858 gehalten / von dem Rector der Ludwig-Universität Dr. Friedrich Hermann Hesse, ordentlichem Professor der evangelischen Theologie und Universitäts-Prediger
Entstehung
Einzelbild herunterladen

10

Religion nicht möglich ſei, und ſodann, daß nicht der reformirten, ſondern der luther'ſchen Religion die zeitliche Priorität mit dem daraus fließenden Rechte auch im Caſſel'ſchen Gebiete zukomme. Jetzt war der unermüdliche Streiter alt und auch wohl ſchwach geworden, aber neben ihn trat ſofort eine jüngere Kraft, der Butzbacher Peter Haberkorn, an den die Orthodoxen ſpäterer Zeit noch mit wehmüthiger Sehnſucht dachten, bei deſſen Tode der bekannte Wittenberger Klopffechter Abraham Calovius ſeinen lessus Haberkornianus dichtete und darin den Mann als den maximus theologorum de ecclesia tum Ilassiaca tum universa praeclarissime meritus, als das lumen und columen academiae Gissensis zwar avena rudi, aber animo sincero et moestissimo feierte ein Trauergedicht übrigens, in welchem ſich die Wuth gegen die Helm ſtädter mindeſtens ebenſo ſehr Luft zu machen ſuchte, als die Trauer um den verlorenen Streit⸗ genoſſen, wenn gleich ſich Kalow dabei als die ſchweſterliche Taube anſtellte, die nun in der Ein⸗ ſamkeit ſeufze.

Es mag höchſt unvorſichtig erſcheinen, Haberkorn mit Kalo w's Empfehlung auftreten zu laſſen, wenn man nicht die Abſicht hat, ihn gleich Anfangs in ein ſchlimmes Licht zu ſtellen. Allein der Mann kann ſich ſonſt ſchon ſehen laſſen, nur muß man nicht von ihm verlangen, daß er der Theologie zu neuen Bildungen und Entwickelungen verholfen haben ſoll. Die Zeit zu dergleichen war für unſere theologiſche Facultät vorüber; dieſe trat nunmehr in die Periode des zähen, ſtill⸗ ſtehenden, nur in der Abwehr thätigen Conſervativismus, welcher ſich recht gut mit Meno Hanne⸗ ken's Leibſpruch: a trita via recedere perie ulosum charakteriſiren läßt und bis gegen Ende des laufenden Jahrbhunderts herrſchend bleibt. Es iſt ein Conſervativismus, welcher ſich ſchlechterdings nicht zu Transactionen herbeiläßt, nicht mit dem Franciskaner Chriſtoph Rojas Spinola, Biſchof von Thina, welcher 1683 wie es ſcheint ohne höhere Autoriſation zur Betreibung der kirchlichen Vereinigung zwiſchen Proteſtanten und Katholiken eine Rundreiſe durch das proteſtantiſche Deutſch⸗ land machte und dabei zehn Friedensvorſchläge mit ſo liberalen Anerbietungen vorlegte, wie ſie den Proteſtanten ſchwerlich zu irgend einer Zeit gemacht worden ſind, noch weniger mit den refor⸗ mirten Irenikern Johannes Duräus(Dury) und Johannes Melletus, deren an die Facultät eingeſendeten Tractate de coneilianda inter Partes dissidentes pace ecclesiastica (1671. 72) unbeantwortet zu den Acten gelegt wurden, am allerwenigſten aber mit den Helm⸗ ſtädtern und Synkretiſten, welche wie treuloſe Verräther in einer belagerten Stadt am meiſten gehaßt wurden

Auch Haberkorn war weniger zur Eroberung, als zur Vertheidigung gemacht, aber für dieſe wußte der im Uebrigen recht trockene und hölzerne Mann die vorhandenen Hilfsmittel ebenſo geſchickt und gewandt zu benutzen, als er zäh und ausdauernd war im Streite. Obgleich er die Calviniſten keineswegs vergaß und aus den Augen ließ: ſo ſcheint er doch ſeinen katholiſchen Gegnern ein größeres Maß von Aufmerkſamkeit geſchenkt zu haben. Mit Kapuzinern und Jeſuiten hatte er unendlich viel zu ſchaffen. Bald mußte er wider die päpſtliche Meſſe ſtreiten, bald die

Rechtmäßigkeit des luther'ſchen Predigtamtes vertheidigen; bald hatte er den Satz abzuweiſen, daß

die kat ſpruche klaren er ſich Japſt Ausle nur je Sat ſei,- Uinan

vor Li 1böln Dieſer

genſcha Verdru gebrach als de geben, einige auf B Geor Dies einige geſpra

heſſiſch

reſulta