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Zuſpitzung des Dogmas vom Gottmenſchen, den letzten Verlauf der Lehrentwickelung, welche auf den allgemeinen Concilien des 4. 5. Jahrhunderts ihren Anfang nimmt. Auch hier ſehen wir wieder das Zuſammentreffen der neſtorianiſirenden Richtung, welche durch allzu ſcharfe Unter⸗ ſcheidung der beiden Naturen in Chriſtus die Einheit der Perſon gefährdet, mit der eutychia⸗ niſirenden, welche um der perſönlichen Einheit willen die beiden Naturen im Gottmenſchen mit einander zu vermiſchen droht. Indem die Tübinger die göttliche Allgegenwart als die Unermeß⸗ lichkeit des göttlichen Weſens auffaßten: ſo liefen ſie durch deren Uebertragung auf die menſchliche Natur in Chriſtus Gefahr, dieſer nicht bloß göttliche Eigenſchaften, ſondern auch göttliches Weſen zu Theil werden zu laſſen, alſo eine Vermiſchung der Naturen anzubahnen und dem Eutychianis⸗ mus zu verfallen. Von dieſem waren ſie auch wohl nicht ganz frei; hatten doch ſchon früher die Gießener dem alten Hafenreffer die Phraſe de deitate Christi pro nobis in sua carne passa et mortua abgewöhnen müſſen! Und wiederum, indem die Gießener den Gebrauch der göttlichen Majeſtät von Seiten der menſchlichen Natur ruhen ließen: ſo konnte es den Anſchein gewinnen, als ob beide Naturen nicht recht zu einander gehörten, eine jede allzuſehr für ſich ihren Weg ginge, als daß nicht die Einheit der Perſon neſtorianiſch gefährdet werden ſollte. Doch haben die Gießener den Vorwurf des Neſtorianismus mit Glück von ſich abzuwehren gewußt, und die Sächſiſche Entſcheidung beſtätigt es ihnen, daß nur ſie den Sinn der Concordienformel richtig getroffen haben.
Bei dieſem Streit können wir uns unſers Mentzer's nur freuen. Nicht bloß wegen des endlichen Sieges, ſondern wegen ſeiner Ehrenhaftigkeit, wegen des ſittlichen Charakters, mit dem er uns entgegentritt. Gegen die Calviniſten zu ſtreiten erachtete er nun einmahl ſeines Amtes, zur Theilnahme an einem häuslichen Kriege aber geht er nur mit ſchwerem Herzen. Zu freund⸗ ſchaftlicher Verhandlung und Verſtändigung immer bereit läßt er ſich Jahre lang reizen und necken, ehe er ſich erhebt, der Frieden der Kirche gilt ihm mehr, als ſeine Eigenliebe. Auf alle billigen Vermittlungsverſuche geht er bereitwillig ein, ohne grade ſeinem Rechte weichherzig zu vergeben, und auch in der größten Hitze des Streites bleibt er gemäßigt und gehalten. Zum Schimpfen und Verketzern läßt er ſich nicht herbei, wird er Neſtorianer, Photinianer, Calviniſt, Jeſuit, Muham⸗ medaner u. ſ. w. geſcholten, ſo begnügt er ſich mit der Abwehr und zeigt höchſtens, daß wohl auch er die Gegner mit häretiſchen Namen ſchmücken könnte, wenn er wollte. Er bedarf auch ſolcher Mittel nicht und ſein offenbares geiſtiges Uebergewicht läßt ihn davon abſehen; klar und beſtimmt, ſcharf und gewandt geht er gegen ſeinen Gegner an, ohne ihm einen Schlupfwinkel zu gönnen.
Doch verzeihen Sie es einem Theologen, einem Gießener Theologen, daß er Sie ſo lange bei dieſen Dingen aufgehalten hat. Wir eilen weiter. Winckelmann ſtirbt in demſelben Jahre mit Landgraf Ludwig V. 1626. Mentzer 1627. 62 Jahre alt. Kurz vorher war die Verlegung der Univerſität nach Marburg erfolgt, nachdem Landgraf Ludwig V. durch kaiſer⸗ liches Edict die Marburger Verlaſſenſchaft zugeſprochen erhalten hatte. Als aber durch den Weſt⸗
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