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Das erste Jahrhundert der theologischen Facultät in Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1858 gehalten / von dem Rector der Ludwig-Universität Dr. Friedrich Hermann Hesse, ordentlichem Professor der evangelischen Theologie und Universitäts-Prediger
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er ſie auch der mit dem Logos vereinigten menſchlichen Natur Chriſti vermöge der eommunicatio idiomatum mitgetheilt werden laſſen, ohne daß er darum zu der ſchriftwidrigen Folgerung genö⸗ thigt geweſen wäre, daß Chriſtus als Menſch im Stande ſeiner Erniedrigung auf Erden wirklich aller Orten zugegen geweſen ſei und an der Weltregierung Theil genommen habe, wie er nach ſeiner göttlichen Natur allerdings Theil daran hatte. Freilich iſt die menſchliche Natur gleich von Mutterleibe an im Beſitz der Majeſtät der Allgegenwart geweſen, d. h. ſie hat die reale Kraft und Fähigkeit gehabt überall gegenwärtig zu ſein, wo es die Perſon des Gott menſchen wollte; aber der Gebrauch der göttlichen Majeſtät hing in dieſer wie auch in andern Beziehungen von dem freien Willen des Gottmenſchen ab. Während ſeiner Erniedrigung aber wollte der Gottmenſch dieſen Gebrauch nicht machen, er hätte ja ſonſt nicht leiden und ſterben, die Menſchen nicht erlöſen, ſeinem hoheprieſterlichen Amte nicht genügen können; darum ent⸗ äußerte er ſich ſelbſt, enthielt ſich vollſtändig des Gebrauches, außer in einigen Momenten ſeines irdiſchen Lebens, wo er, wie z. B. beim Wunderthun, die innerliche göttliche Majeſtät durch die Unſcheinbarkeit der äußeren Knechtsgeſtalt, die er angenommen hatte, gleichſam hindurchſtrahlen ließ; erſt im Stande der Erhöhung, beim Antritt ſeines königlichen Amtes, tritt ſeine menſchliche Natur in den vollen und allgemeinen Gebrauch der göttlichen Majeſtät ein. Demnach beſteht der Zuſtand der Erniedrigung darin, daß ſich Chriſtus nach ſeiner menſchlichen Natur auf Erden des Gebrauches der ihr zuſtehenden göttlichen Majeſtät einige Augenblicke abgerechnet gänzlich enthalten hat. Die Tübinger dagegen, welche die göttliche Allgegenwart als die Unermeß⸗ lichkeit des göttlichen Weſens in Beziehung auf die Creaturen, alſo als eine weſentliche, ewige und unveränderliche Eigenſchaft auffaßten, konnten ſie nicht vom freien Willen Gottes abhängig machen. Alſo auch nicht vom freien Willen des Gottmenſchen in Beziehung auf ſeine menſchliche Natur. Dieſe iſt mithin auch im Stande der Erniedrigung während des Erdenlebens wirklich überall gegenwärtig geweſen, zu Rom, zu Athen u. ſ. w., während Chriſtus zu Bethlehem in der Krippe lag oder auf Golgatha am Kreuze hing; ſie hat auch immer an der göttlichen Weltregie⸗ rung Theil genommen. Aber alles verborgener Weiſe, weeil ſonſt kein Zuſtand der Ernie⸗ drigung ſtattgefunden hätte, wie denn Chriſtus als Menſch verborgener Weiſe Alles gewußt hat, obgleich er äußerlich Manches nicht wußte. So kamen die Tübinger zu der abenteuerlichen Be⸗ hauptung, um welche ſich allmählich der Streit concentrirte, daß Chriſtus als Menſch auch im Grabe die Welt regiert habe, aber verborgener Weiſe, und ſie ſetzten den Zuſtand der Erniedri⸗ gung bloß in den verborgenen Gebrauch der göttlichen Majeſtät von Seiten der menſchlichen Natur, wodurch ſie freilich den Zuſtand der Erniedrigung wie die darauf folgende Erhöhung zu einem bloßen Spiel mit dem Scheine machten.

Wer dieſen Streit als einen unbedeutenden bezeichnen, oder ſeinen Spott darüber ausgießen wollte, wie der Jeſuit Lorenz Forer zu Ingolſtadt in ſeinem bellum ubiquitisticum vetus et novum, oder imAlten und neuen luther'ſchen Katzenkrieg von der Ubiquität(1627. 1629) gethan hat: der würde damit wenigſtens kein hiſtoriſches Urtheil abgeben. Wir haben hier die letzte