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Das erste Jahrhundert der theologischen Facultät in Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1858 gehalten / von dem Rector der Ludwig-Universität Dr. Friedrich Hermann Hesse, ordentlichem Professor der evangelischen Theologie und Universitäts-Prediger
Entstehung
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Hochherzigkeit, daß ſie durch ihre bei Landgraf Moritz eingelegten Fürbitten alle harten Strafen von den Bürgern abwandten und daß Sup. Schönfeld am Sonntag nach dem Tumult, als er noch die deutlichen Zeichen der erlittenen Mißhandlungen an ſich trug, auf die Kanzel trat, um über den Text Mtth. 5, 44. zu predigen:Liebet eure Feinde, ſegnet die euch fluchen, thut wohl denen die euch haſſen, bittet für die, ſo euch beleidigen und verfolgen. Dadurch, daß der Opfermann Harter, der ſeinen Hals hatte wagen wollen, ſich ſehr bald nach Gießen in Sicher⸗ heit brachte, kamen die dahingegangenen Geiſtlichen in Verdacht, Miturheber des Marburger Unheils geweſen zu ſein. Wir dürfen wohl zu unſerm Troſt und zu unſerer Freude ziemlich ſicher anneh⸗ men, daß dieſer Verdacht ungegründet geweſen iſt; dürfen den Verſicherungen jener Männer wohl glauben, daß ſie weder in Predigten noch Privatgeſprächen auf Aufwiegelung hingearbeitet, ihr ernſtliches Mißfallen an dem ausbrechenden Lärmen den ihnen Begegnenden ausgeſprochen haben, und durch völlige Unkenntniß deſſen, was ſich in der Kirche ereignete, abgehalten worden ſeien, den bedrohten Predigern mit ihrer Autorität und ihrem Einfluß zu Hilfe zu kommen. Eine Gemeinde, welcher ihre Geiſtlichen genommen worden waren, welche durch fortwährende Streitigkeiten in be⸗ ſtändiger Unruhe um ihren Glauben gehalten worden war, welcher die neuen Geiſtlichen den Bilder⸗ ſchmuck in den Kirchen und auf den Kirchenplätzen als Götzendienſt verübelt hatten, konnte wohl auch durch eine ſo untergeordnete Perſönlichkeit, wie der Kirchendiener Harter war, in unheil⸗ volle Bewegung gebracht werden, ohne daß es dazu der Anſtiftung durch gewichtvollere Männer bedurft hätte.

In Folge dieſer Bewegungen wurde getrennt und ehrlich geſchieden, was damals noch nicht vereinigt bleiben konnte: das reine Lutherthum bekam in Gießen eine Bildungsſtätte für ſich. Noch im October 1605 wurde das gymnasium illustre eröffnet, zu welchem im Laufe des erſten Jahres über 300 lernbegierige Schüler ſich einfanden; im Jahre 1607 erfolgte durch Ver⸗ leihung der kaiſerlichen Privilegien die Erhebung des Gymnaſiums zur Univerſität. Johann Winckelmann und Balthaſar Mentzer l. waren die erſten Profeſſoren der jungen theolo⸗ giſchen Facultät; im Jahre 1608 trat noch Heinrich Eckhardi hinzu, welcher aber ſchon im Jahre 1610 als Superintendent nach Frankenhauſen in Thüringen ging, worauf Chriſtoph Helvicus und Caspar Finck, ein geborener Gießener, einrückten. Indeß Helwig ſtarb ſchon 1617, nachdem Finck im Jahre vorher nach Coburg als General⸗Superintendent und Profeſſor am Casimirianum gegangen war. Sie wurden durch zwei Ausländer erſetzt, durch Johann Giſenius, den jedoch ſein Schickſal ſchon 1619 nach Straßburg und 1621 an die neuge⸗ gründete Univerſität in Rinteln führte, und durch den Weſtphalen Juſtus Feuerborn(Fewr⸗ born), Mentzer's Schwiegerſohn und bisher außerordentlichen Profeſſor.

Das war die Zeit, in welcher die junge Facultät ihre erſte Feuerprobe auf dem Gebiet der Polemik zu beſtehen hatte, indem ſie mit den Tübinger Theologen in den ſog. kryptiſchen Streit verwickelt wurde. Nicht als ob ſie vorher denKriegen des Herrn müßig zugeſehen hätte, ſie hatte ſich vielmehr an der Beſtreitung der Katholiken und Reformirten mit Eifer betheiligt, ja

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