Druckschrift 
Das erste Jahrhundert der theologischen Facultät in Giessen : akademische Festrede zur Feier des hohen Geburtsfestes seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs Ludwigs III. am 9. Juni 1858 gehalten / von dem Rector der Ludwig-Universität Dr. Friedrich Hermann Hesse, ordentlichem Professor der evangelischen Theologie und Universitäts-Prediger
Entstehung
Einzelbild herunterladen

3 Tages treffen er Wahl itwirken Es iſt burtsfeſt mſtande, Namen dern den es eine ich ſagen Fürſten ſe, hoch⸗ ie ganze zun, daß enheit in dochſchule Schwe⸗ ellen für n, welche wir uns und mit

tbören ich noch das

bichtlichen n wöchte, uarbeiten. enheit der wwürdigen h in den nur einige genheit durch ihrt mehrfachen

3

Auf die Entſtehung unſerer Univerſität können wir nicht gerade mit ungetheilter Freude blicken. Es war am 6. Auguſt im Jahre des Heils 1605 Landgraf Moritz hatte die Pro⸗ feſſoren und Geiſtlichen, welche in die Einführung ſeiner drei Verbeſſerungspuncte nicht willigen wollten, zwar nicht vertrieben, aber doch einſeitig entlaſſen und andere aus ſeinem Niederfürſten⸗ thum an ihre Stelle geſetzt, welche eben damit beſchäftigt waren, die Gemüther der Bürger und Studenten durch Predigten für das Anliegen des Landgrafen zu gewinnen da brach in der Stadt⸗ und Pfarrkirche zu Marburg, während grade der Superintendent Valentin Schoner von Ziegenhain über die originale Geſtalt des Dekalogs, wider die Bilder, ſowie wider die gefährlichen und unerbaulichen Disputationen von der Ubiquität des Fleiſches Chriſti predigte, ein ſo furchtbarer Tumult aus, wie ihn ſich die Lobredner der alten Frömmigkeit kaum können träumen laſſen. Am Tage zuvor hatte der Superintendent Schönfeld aus Caſſel vom Brodbrechen im Abendmahl gepredigt; aber heute, ſagte der fanatiſche Opfermann Anton Harter zu den Bür⸗ gern,heute wird man die Bilder ſtürmen und aus den Kirchen reißen, es iſt an der Zeit zu⸗ zuſehen, zu wachen und zu wehren; ich will meinen Hals daran wagen. Unter der Predigt ſtürmten die Bürger mit ihrem Handwerkszeug in die Kirche, die Maurer mit ihren eiſernen Bickeln, die Steindecker mit ihren Hämmern, die Schreiner und Zimmerleute mit ihren Richtſcheiten; es wurde Sturm geläutet und der Zuſammenlauf dadurch gemehrt; das anfängliche Grunzen ging in ein lautes Geſchrei über, mit welchemdem Pfaffen und alten Schelmen auf der Kanzel Stillſchweigen geboten wurde, und in das Abbrüllen des Liedes:Allein zu dir, Herr Jeſu Chriſt! mein Hoffnung ſteht auf Erden; von dem Schreien kam es bald zu Thätlichkeiten gegen die fremden in der Kirche anweſenden Geiſtlichen. Sie wurden durch die heiligen Räume gehetzt und von dort zum Theil durch die Gaſſen der Stadt; einige wurden blutig geſchlagen, Superintendent Schönfeld ſo, daß er beim Altar halbtodt mit den Worten zuſammenſank:Herr Jeſu, nimm meinen Geiſt auf! Vater, vergieb ihnen, denn ſie wiſſen nicht, was ſie thun! Während des Tumultes der Bürger, welche zugleich die bürgerliche und kirchliche Regierung an ſich riſſen, aber von dem alsbald herbeigeeilten Landgrafen unter Herbeiziehung militäriſcher Macht in wenigen Tagen gründlich zur Ordnung gebracht wurden, gingen zwei Männer ſtill zum Thore hinaus, welche wir bald hernach unter den höchſten Würdenträgern unſerer Landeskirche erblicken; ſie gingen nach Gießen, wo ihnen wohl Landgraf Ludwig der Getreue bald nach ihrer Entlaſſung einen neuen Aufenthalt angewieſen hatte. Es waren der Profeſſor Dr. Winckelmann und der Stadtpfarrer Dr. Leuchter; wann ſich der Profeſſor Dr. Mentzer zu ihnen gefunden haben mag, vermag ich nicht zu ſagen. Alle Ehre und Anerkennung der Ueberzeugungs⸗ und Pflichttreue dieſer Männer, zumahl ſie im Augenblicke ihrer Entlaſſung zwar auf die Fürſorge des Landgrafen Ludwig rechnen konnten, aber doch noch nicht wußten, wo ſie wieder eine Stätte der Wirkſamkeit für die ihnen ſo theure reinluther'ſche Lehre finden würden; doch auch von den in Marburg an ihre Stellen getretenen Geiſtlichen können wir ohne einen Ausdruck aufrichtiger Bewunderung nicht ſcheiden. Sie mögen in manchen Stücken gefehlt haben, aber das zeugt gewiß von chriſtlicher

1*