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Von deutscher Sprache : Aufsätze, Vorträge und Plaudereien / von Otto Behaghel
Entstehung
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13. Jahrh., in Mitteldeutschland und im Norden etwa von 1300 ab. Diese Sprache der Urkunden ist im Anfang von Weltfremdheit, von Schwulst und Schwerfälligkeit völlig fern; erst etwa in den sechziger Jahren des 13. Jahrh. sezen die Schachtelsäge und Band­würmer ein, die dann bis hinein in die Rechtssprache unserer Tage fortdauern.

In diesen Urkundensprachen liegen die Keime einer folgenreichen Entwicklung. Aus ihnen heben sich bedeutsam. heraus die Sprache der kaiserlichen Kanzlei, in der sich mitteldeutsche und oberdeutsche Bestandteile zusammenfanden, und die der sächsischen Kanzlei. Die Gemeinschaft der beiden hat Luther, mit dem man die neuhoch= deutsche Zeit zu beginnen pflegt, mit vollem Bewußtsein zur Sprache seiner Bibelübersehung gemacht, aber zugleich unablässig darnach gerungen, echtes, lebendiges Deutsch zu reden. Nichts kann Luthers Leistung in helleres Licht sehen als der Vergleich mit der steifen unlebendigen Rede von Zwingli. Es hat freilich noch bis tief ins 18. Jahrh. hinein gedauert, bis das durch Luther begonnene Eini­gungswerk zu einem Abschluß kam, durch die Bemühungen der Sprachgesellschaften, der Grammatiker, der Schriftsteller selbst.

Schon vor dem Auftreten Luthers hat in Deutschland der Humanismus eingesetzt, der gleich zu Anfang hervorragende über­sezer aufzuweisen hat; aber deren Deutsch ist vielfach nicht rein und echt, und es ist jetzt dem antiken Einfluß Tür und Tor geöffnet im Hereindringen fremder Wörter, dem Verleihen antiken Gewandes an deutsche Personennamen, der Nachbildung lateinischer Fügungen, wie des Akkusativ mit dem Infinitiv, der Nachbildung fremder Wort­stellung.

Im 17. Jahrh. wird französischer Einfluß mächtig im Wort­schatz; aber der Sazbau verrät nichts von französischem Geiste. Die politische Korrespondenz der Zeit zeigt den schlimmsten Kanzleiſtil; ein inhaltlich so volksmäßiges Werk wie der Simplicissimus ist von volksmäßiger Rede weit entfernt. In der Dichtung herrscht die Bracht und üppigkeit des Barocks, dem dann wieder die Nüchtern­heit eines Canig, die an Christian Weise anschließende Wasserpoeste entgegentritt.

Das 18. Jahrh. bringt in Haller und Klopstock die Schaffung einer neuen Dichtersprache, genährt von den Engländern, von Homer,