8.
Der erste Abschnitt in der Geschichte der deutschen Sprache ist die Zeit der ungeschwächten Endungen, die Zeit des Althochdeutschen und des Altniederdeutschen, die bis ins 11. Jahrh. hineinreicht. Nur eine beschränkte Zahl von Quellen gibt uns hier Kunde von der deutschen Sprache: Dichtung, zumal geistliche Dichtung, Übersetzungsprosa, Prosa, die der geistlichen Unterweisung, der Auslegung spätrömischer Literatur und biblischer Bücher gewidmet ist; die Übersetzung teilweise so sklavisch, daß etwa das lateinische Deponens durch ein deutsches Passiv wiedergegeben wird, teilweise sich zu feiner und kunstvoller Wiedergabe lateinischer Sazgebilde erhebend.
Mit dem 12. Jahrh. beginnt die Zeit des Mittelhochdeutschen und Mittelniederdeutschen mit den abgeschwächten Endungsvokalen, mit starkem Übergewicht des Mittelhochdeutschen über das Mittelniederdeutsche; Dichter aus dem nd. Gebiet schreiben geradezu hochdeutsch oder doch ein vielfach hochdeutſch gefärbtes Niederdeutsch. Eine mhd. Literatursprache beginnt sich auszubilden, deren Grundlage die nördlichen Gebiete des Oberdeutschen gewähren, die aber nicht verhindert, daß in den Quellen seit dem 14. Jahrh. landschaftliche Besonderheiten stärker hervortreten. Im 12. und 13. Jahrh. haben wir es fast ausschließlich, im 14. Jahrh. noch überwiegend mit dichterischen Quellen zu tun; die Gelehrsamkeit, die Akten, die Geschichtschreibung bewegen sich in lateinischer Sprache, soweit nicht die letztere zum deutschen Verse greift. In der ersten Hälfte des 12. Jahrh. steht die Dichtung mit der Einfachheit des Sazbaus noch der mündlichen Rede nahe. Die Zeit der mhd. Klassiker um 1200 zeigt hohe Vollendung der sprachlichen Form, wobei jedoch die eine Richtung älterer und volkstümlicher Rede näher steht, die andere mehr die hösische Gegenwart vertritt und zugleich sich dem Eindringen französischer Wörter stärker öffnet.
Das 13. Jahrh. bringt die deutschen Rechtsbücher des Sachsenspiegels und Schwabenſpiegels, das 13. und 14. Jahrh. die deutsche Predigt und die deutsche Mystik, das 14. und zumal das 15. Jahrh. die deutsche Chronik und Geschichtschreibung, das 15. und 16. Jahrh. die deutschen Volksbücher, den deutschen Roman. Die Entfaltung der deutschen Prosa vollendet sich, indem auch die Sprache der Akten und Urkunden deutsch wird, im Süden seit den siebziger Jahren des


