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Von deutscher Sprache : Aufsätze, Vorträge und Plaudereien / von Otto Behaghel
Entstehung
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Daneben stehen Verbreiterungen alter langer Vokale; auf bayrisch- österreichischem, schwäbischem und mitteldeutschem Boden ist zit zu zeit, hus zu haus, hüte zu häute geworden. Laute der Nebensilben i, j und verwandte Laute haben auf solche der Hauptsilben eingewirkt im sogenannten Umlaut( Kraftkräftig, Graf- Gräfin, Köln aus lat. colonia).

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Von den Veränderungen der Mitlauter ist zumal die zweite

autverschiebung wichtig, die im 6. Jahrh. sich vollzogen hat

und insbesondere p zu pf oder f, t zu tz oder sz, k zu ch wandelt. Sie ist auf verschiedenen Gebieten verschieden wirksam gewesen: je weiter nach Süden, desto mehr Laute und Lautſtellen werden von ihr getroffen; sie gibt so das wertvollste Hilfsmittel zur Ab­grenzung deutscher Mundarten an die Hand. Niederdeutsch sind. die Gebiete, die kaum von der Verschiebung berührt worden sind. ( doch entspricht dem englischen the, thou nd. de, du); hochdeutsch diejenigen, die im Wortinnern und Wortende p zu f, t zu sz, k zu ch verschoben haben. Innerhalb des Hochdeutschen kennzeichnet sich das nördlichere Mitteldeutsche durch das Festhalten von pp ( appel apfel); es hat im Westen auch p des Wortbeginns nicht verschoben( perd, penning). Das Oberdeutsche im Süden hat auch perd zu pferd, appel zu apfel werden lassen. Die Verschiebung des k ist im Mitteldeutschen und nördlichen Oberdeutschen in be­schränkten Grenzen geblieben; eine immer weitergehende Verschiebung des k zu ch hat auf alemannischem Gebiet niederalemannisch, hoch alemannisch, höchstalemannisch unterscheiden laſſen.

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Im Leben der Wortformen geht Verlust und Neuschöpfung nebeneinander her. Schon die vorgeschichtliche Zeit hatte eine besondere Form für Aussagen über eine Zweizahl sowie eigene Kasus für das Wo und das Woher untergehen lassen; eine noch im 9. Jahrh. vorhandene Form zur Bezeichnung des Mittels folgte nach; die Aufgaben der untergegangenen Kasus werden durch Ver­bindungen der übriggebliebenen mit Vorwörtern übernommen, deren Zahl sich in neuerer Zeit durch erstarrte Formen von Hauptwörtern erheblich vermehrt hat( z. B. kraft, laut, mittels, trop, wegen). Etwa seit dem 15. Jahrh. ist im größten Teil des Gebiets in der lebendigen Rede auch der Genitiv abhanden gekommen, bis auf erstarrte Reste; die Schriftsprache hat ihn festgehalten, ent­