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der Humoristen( Gersprenz ist veritrunken; gelebt, geliebt und auch gedracht).
Ein bewußtes Eingreifen in die Sprachentwicklung stellen die Verdeutschungsbestrebungen dar, die der Einwanderung fremder Bestandteile entgegentreten oder die durch heimische Nachbildung fremder Weise dem deutschen Wortstaat neue Betriebsmittel zuführen wollen, Bestrebungen, die in die Anfänge unseres quellenmäßig beglaubigten Sprachlebens zurückgehen. Eine Wirkung bewußten Eingreifens ist es, wenn Sprachgelehrte grammatische Festsetzungen vornehmen und Gläubige finden. So haben die Sprachlehren von Schottel, Gottsched, Adelung vielfältig Nachachtung erfahren; so hat Wustmanns Lehre von der größeren Vortrefflichkeit des Älteren bis auf den heutigen Tag das sprachliche Handeln weiter Kreise beherrscht. Luthers Bibelsprache ist in großem Umfang Ergebnis bewußter Prüfung aller Möglichkeiten. Wenn wir heute zwischen verschiedenen Ausdrücken für denselben Begriff stilistisch wechseln, so steht dabei unablässig theoretische Mahnung im Hintergrund. Die Namengebung der Neuzeit auf dem Gebiete des Flugwesens ist umfassender syste= matischer Erwägung entsprungen.
Von den unbewußten Wandlungen der Sprache sind diejenigen der Selbstlaute zum guten Teil Folgen der im Germanischen durchgesezten Anfangsbetonung. So erfahren die Vokale der Nebensilben schon in der Zeit vor unsern Sprachquellen vielfach Tilgung; die vollen Endvokale a, i, o, u, die die althochdeutschen Quellen noch in reichem Maße besigen, sind, soweit sie kurz waren, in mhd. Zeit zu e abgeschwächt; in den nördlichern Gebieten haben damals auch die Längen dieselbe Abschwächung erfahren, und in neuerer Zeit haben die südlicheren Gebiete dieses e ganz abgeworfen. Aber auch innerhalb der nämlichen Silben, innerhalb der Doppellaute hat der dem Wortbeginn fernere Bestandteil mit der Zeit an Gewicht verloren: so wird jenes ahd. diot später zu diët, ahd. briaf zu brief, und ië, uo, üe des Mhd. erscheinen in mittleren Gebieten und in der Schriftsprache als i, u, ü; ei- ai, ou- au früherer Zeit wandeln sich in mitteldeutschen und niederdeutschen Gebieten zu einfachen Längen, mit Überwiegen des ersten Bestandteils: breit ( od. brait) erscheint als brēt und brāt, koufen( kaufen) als kofen und kafen.


