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Wallis, Teile von Graubünden werden deutsch, die Linie der späteren Arlbergbahn nach Süden überschritten. Über das Stammgebiet hinaus werden Siedlungen entsendet: die Siebenbürger„ Sachsen“ sind Ableger der Moselfranken, die Gottscheer im slowenischen Sprachgebiet und die heute spärlich gewordenen deutschen Bewohner der sieben und der dreizehn Gemeinden entspringen dem bayrischen Stamm; in den baltischen Ländern ist die Oberschicht deutschen Ursprungs. Das in Polen und Rußland von Millionen gesprochene Jiddische bekundet neben seinen weniger zahlreichen hebräischen Bestandteilen eine im wesentlichen ostmitteldeutsche Grundlage.
Was so nach außen als deutsch, als Einheit sich deutlich kennzeichnet, ist im Inneren nichts weniger als eine Einheit. Es spaltet ſich in Unterabteilungen nach Raum und Zeit, es ſtuft sich ab nach den Zwecken der Rede: so steht die Schriftsprache neben der Mundart, mit mannigfachen Übergängen und Mischungen; der Sprache der Prosa tritt die Sprache der Dichtung zur Seite; besonderen Aufgaben dient die Sprache des Rechts, des Seemanns, des Bergmanns und anderer Berufs- und Lebenskreise. Schließlich sind auch die Sprachen der einzelnen vielfältig unter sich verschieden, nicht bloß in den Personen überragender Schriftsteller, sondern auch bei gewöhnlichen Sterblichen. Bei der Entwicklung, die über die Sprache ergeht, tritt bald die, bald jene dieser Einzelheiten mit ihren Schicksalen stärker hervor.
Die Wandlungen, denen das Deutsche unterliegt, setzen sich zusammen aus solchen, die die einzelne Spracheinheit unabhängig von jeder anderen vollzieht, und solchen, bei denen der Einfluß anderer Einheiten sich geltend macht. Dabei haben fremde Sprachen auf das Deutsche eingewirkt: in ältester Zeit das Keltische( dem u. a. das Wort reich entstammt), dann das Lateinische, das Französische das Griechische( dieses vielfältig durch Vermittlung des Lateinischen), das Englische. Diese Einwirkung kann erfolgen durch mündlichen Austausch: so haben wir hebräische Bestandteile aufgenommen( meschugge, pleite); so haben die Deutschen schon Jahrhunderte vor dem Beginn unserer Sprachquellen beim Einrücken in das Zehntland, in die Schweiz, in die Rheingebiete, zugleich mit den neuen Errungenschaften der Kultur, die sie vorfanden, in großem Umfang deren Benennungen von den Keltoromanen aufgenommen oder die


