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Von deutscher Sprache : Aufsätze, Vorträge und Plaudereien / von Otto Behaghel
Entstehung
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belegt ist( z. B. draco mirae magnitudinis, quos gentili sermone boas vocant), wie das Hauptwort diot lateinisch gens wiedergibt.

Die beglaubigte Geschichte des Deutschen beginnt mit dem 6. Jahrh.; in dieser Zeit überliefern uns lateinische Urkunden einzelne deutsche Wörter( Eigennamen). Das Deutsche umfaßt damals ein Gebiet, dessen Grenzen nur zum Teil mit einiger Sicherheit zu be­stimmen sind. Die Ostgrenze wurde gebildet durch Elbe, Saale, Böhmerwald, Enns; die östlichen Nachbarn der Deutschen waren Slaven und Avaren. Im Süden strebte die Grenze den Kämmen der Alpen zu, im Süden des Deutschen saß keltoromanische und rätoromanische Bevölkerung. Zum Deutschen gehörte aber noch die Sprache der Langobarden, die jenseits der Alpen, in Italien, im 6. Jahrh. ihr Reich begründet hatten. Ob oder in welchem Umfang im Norden das Deutsche bis an die Nordsee reichte, ist nicht aus­zumachen. Jedenfalls saßen in einer unsern Sprachquellen voraus­liegenden Zeit in den Küstengebieten und weiter ins Land hinein bis nach Nordthüringen Frieſen und ihnen verwandte Stämme, die also die nördlichen Nachbarn der Deutschen waren. Im Westen entsprach der Verlauf der Grenze annähernd dem der späteren Zeit; doch reichen darüber die Westfranken hinaus nach Westen, in nicht näher zu bestimmendem Maß und Umfang in die Bevölkerung des heutigen Frankreichs eingesprengt; auch hier sind Keltoromanen die Nachbarn der Deutschen.

Die über die zusammenhängende Linie hinausragenden Teile gehen dem Deutschen früh verloren, indem etwa im Lauf des 9. Jahrh. Langobarden und Westfranken von der nach Zahl und Kultur übermächtigen romanischen Bevölkerung aufgesogen werden. Etwa im 11., 12. Jahrh. löst sich das Niederländische aus dem Ver­band der deutschen Spracheinheit, indem es eine selbständige Schrift­sprache ausbildet.

Diesen Verlusten stehen gewaltige Gewinne gegenüber. Ins­besondere im 12. und 13. Jahrh. wird das Land östlich der Elbe deutschem Wesen und deutscher Sprache gewonnen, ein erheblicher Teil von Böhmen sowie das Land, das den Namen der Ostmark erhält, und aus dem dann Österreich erwächst. Das Friesische wird stark zurückgedrängt, ihm nur spärliche Küstenteile und vorliegende Inseln belassen. Die Eroberung der Alpen wird vollendet, das obere