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Am 5. Februar wurde Herr Dr. Ulrich Molsen an das Gymnasium in Ratzeburg be- rufen. Für ihn sandte das Königliche Provinzial-Schulkollegium, dem ich nicht verfehlen möchte für die unserer Anstalt auch in der verflossenen schweren Zeit dauernd bewiesene Fürsorge an dieser Stelle meinen besonderen Dank auszusprechen, Herrn Seminarkandidaten Horstmeyer, der nunmehr die von Herrn Dr. Molsen bisher erteilten Unterrichtsstunden über- nahm.
Am 17. Februar beehrte Herr Provinzial-Schulrat Dr. Prinzhorn unsere Anstalt mit seinem Besuche in Vertretung für Herrn Geheimrat Tiebe, den Dezernenten unserer Anstalt, der leider durch Krankheit verhindert war, unsere Oberrealschule einer Revision zu unterziehen. Herr Provinzial Schulrat Dr. Prinznorn wohnte besonders dem ÜUnterrichte in den oberen Klassen, vornehmlich in der Ul, bei und nahm an der Weiterentwickelung unserer Anstalt regen Anteil.
Am 11. März fand unter dem Vorsitz des Berichterstatters als Königl. Kommissar die Schlußprüfung statt, und zwar vormittags um 8 Uhr für die U Il A, nachmittags um 3 Uhr für die UIlB Als Vertreter des Magistrats war Herr Baurat Boldt erschienen. Es bestanden aus UIl A von 20 Schülern 18 und aus UIl B von 21 Schülern 19 die Prüfung und er- hielten das Zeugnis der Reife für die Obersekunda der Oberrealschule.
Am 20. März wurden nach der vierten Unterrichtsstunde gemäß der Anordnung des Kgl. Provinzial-Schulkollegiums die Schüler zur Gedenkfeier des 100 jährigen Geburtstages Bismarcks in der Aula versammelt. Nach einleitendem Gesange hielt Herr Oberlehrer Dr. Trautmann die Gedächtnisrede, in der er die Bedeutung des Altreichskanzlers für die Gründung des Deutschen Reiches hervornob. Darauf fand die Entlassung derjenigen Schüler statt, die nach Erlangung der Reife für die Obersekunda und der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst die Schule verließen.
Der Gesundheitszustand des Lehrerkollegiums war im verflossenen Schuljahre nicht gleichmässig gut. Verschiedene Herren mussten z. T. wiederholt wegen Erkrankung dem Unterrichte auf mehrere Tage fernbleiben und vertreten werden. Eine längere Vertretung wurde für Herrn Vorschullehrer Linke nötig. Er hatte sich wohl infolge einer heftigen Er- kältung eine langwierige und schmerzhafte Hüftgelenkentzündung zugezogen und war ge- zwungen zur Wiederherstellung seiner Gesundheit vom 1. August an bis zum Schluss des Schuljahres Urlaub zu nehmen. Seine Vertretung wurde wesentlich durch die Vereinigung der beiden Vorschulklassen V2 aund V2 b durch Herrn Vorschullehrer Hoehne geregelt. Inzwischen ist Herr Linke soweit wiederhergestellt worden, dass er seinen ÜUnterricht mit Beginn des neuen Schuljahres Ostern 1915 wiederaufzunehmen gedenkt.
Von der Veranstaltung eines besonderen Liederabends zu Weihnachten oder eines Elternabends musste in diesem Jahre Abstand genommen werden. Auch dem Eissport konnte in diesem Winter nur wenig gehuldigt werden, da unsere sonst dazu geeigneten Wasserflächen nur kurze Zeit eine tragfähige Eisdecke boten. Dafür trat aber in besonderer Weise die mili- tärische Jugendpflege in ihre Rechte. Auf die erste Verfügung des Kęl. Provinzial-Schulkol- legiums hin hatte zuerst die Schule die Sache in die Hand genommen. Bald aber trat unter Oberleitung des Herrn justizrates und Hauptmanns d. R Schulz eine besondere Organisation ins Leben, die schon an anderer Stelle angegeben wurde Die militärischen Uebungen fanden nunmehr regelmässig an einem Wochentage, gewöhnlich dem Donnerstage, und am Sonntage statt. Zu diesen Uebungen und auch zu den ganztägigen Uebungen stellte die Schule gern die nötige Zeit zur Verfügung und nahm auch bei Bemessung der häuslichen Arbeiten ge- bührend darauf Rücksicht Allen Herren, die durch Beaufsichtigung und Leitung ihre Arbeits- kraft und Zeit der für uns so überaus wichtigen und guten Sache opferten, sei auch an dieser Stelle unser Dank ausgesprochen, besonders Herrn Seminar-Oberlehrer Dr. Scheer, der trotz seiner Amtsgeschäfte und seines militärischen Dienstes sich dieser militärischen Jugendpflege hervorragend widmete. Auf die Flaltung unserer teilnehnmenden Jungen, auf ihr Aussehen und auf ihre körperliche Entwickelung sind diese militärischen Uebungen nach meiner Erfahrung vom besten Einflusse gewesen, Irgend welche gesundheitliche Schädigungen wurden nicht bemerkt, zumal auch die körperlich ungeeigneten Schüler durch die ärztliche Untersuchung, die Herr Sanitätsrat Dr. Burscher freundlichst übernommen hatte, ausgeschieden worden waren Diese militärischen Uebungen waren für unsere Anstalt auch aus dem Grunde von Wichtig- keit, weil unsere Turnhalle oft vom Militär belegt war und uns nicht zur Verfügung stand, sodass der Turnunterricht ausfallen oder durch Turnmärsche oder Unterricht in den Klassen-


