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Wie wohl von allen höheren Lehranstalten, so eilten auch von unserer Oberrealschuſe alle Schüler, die sich körperlich nur irgendwie dazu geeignet fühlten, in den ersten Kriegs- monaten zu den Fahnen und traten als Kriegsfreiwillige ein. Es sind bisher 50 Schüler ge- wesen, die für ihr Vaterland gegen den Feind gezogen sind. Ihre Namen sind in einer be- sonderen Liste unseres Jahresberichtes zusammengestellt worden.
Zugleich hatte die Schule die hohe Freude, die Auszeichnung verschiedener von diesen und von zahlreichen früheren Schülern wegen ihrer hervorragenden Leistungen im Felde zu erfahren. Auch sie sind in einem besonderen Verzeichnis aufgeführt worden.
Leider haben wir aber auch den Heldentod zahlreicher früherer Schüler zu beklagen, die auf dem Felde der Ehre geblieben oder ihren Verwundungen erlegen sind. Ihnen allen werden wir ein dauerndes, ehrendes Andenken bewahren und sie nach siegreicher Beendigung des Feldzuges in einer Ehrentafel zusammenstellen. Die bisher gegebene Aufstellung dürfte wohl ebenso wie auch die beiden anderen Listen noch manchen Fehler enthalten. Das Lehrer- kollegium dankt allen denen, die uns bisher zweckdienliche Mitteilungen haben zugehen lassen, herzlich dafür und bittet gleichzeitig um weitere Angaben und Berichtigungen, damit: die nach Beendigung des Krieges zu veröffentlichenden Zusammenstellungen möglichst voll- ständig und fehlerfrei geliefert werden können.
Für die fleißige und selbstlose Hilfe, die mir Herr Oberlehrer Mahrenholz bei den bis- herigen Zusammenstellungen bereitwilligst geleistet hat, sage ich ihm auch an dieser Stelle meinen verbindlichsten Dank.
Am 21. September wurde unter dem Vorsitz des stellvertretenden Direktors die Herbst- Schlußprüfung abgehalten. Die beiden Untersekundaner, die sich derselben unterzogen, be- standen und erhielten das Zeugnis der Reife für die Obersekunda.
Am 31. Oktober feierte die Schule in der Aula das Reformationsfest. Als Vertreier der städtischen Behörden war Herr Baurat Boldt erschienen. Nach einleitendem Gesange und einer kurzen geistlichen Ansprache, die Herr Oberlehrer Kalow mit bekannter Bereit- willigkeit übernommen hatte, hielt Herr Oberlehrer Mahrenholz die Festrede über das Ver- hältnis des Protestantismus zum Katholizismus in der Gegenwart. Die ernste und weihevolle Feier schloß mit dem gemeinsamen Gesange des Liedes:„Ein feste Burg ist unser Gott“.
Am 10. November starb Herr Stadtrat Paul Hellwig, der länger als ein Menschenalter hindurch seine ganze Arbeitskraft voller Freudigkeit und Pflichteifer dem Dienste der Stadt gewidmet hat und auch unserer Anstalt nahegetreten ist, indem er als Vertreter der städtischen Behörden unseren Schlußprüfungen seit vielen Jahren beizuwohnen pflegte. Die Schule wird dem um das Wohl der Stadt verdienten Manne ein dankbares Gedenken bewahren. Der Lehrkörper der Anstalt ehrte ihn durch Uebersendung einer Blumenspende; eine größere An- zahl von Kollegen gab ihm das letzte Geleit zum Grabe.
Am 15. Dezember wurde Herr Dr. Wilhelm Heyne, der seit dem 1. Oktober der An- stalt zur Ableistung des pädagogischen Probejahres überwiesen und voll als Hilfslehrer be- schäftigt war, als Ersatz-Reservist zum Ersatz-Bataillon des Res.-Inf-Reg. Nr. 18 nach Königs- berg i. Pr. einberufen. An seine Stelle trat am 18. Dezember 1914 Herr Dr. Ulrich Molsen, der dem pädagogischen Seminar am hiesigen Kgl. Gymnasium angehörte und sofort den ge- samten Unterricht des Herrn Dr. Heyne übernahm.
Am 24. Dezember wurde Herr Oberlehrer Dr. Karl Philipp zum Professor ernannt und erhielt gleichzeitig den Rang der Räte 4. Klasse.
Die Feier des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers und Königs wurde am 27. Januar 1915 schon morgens um 8 Uhr abgehalten, um Lehrern und Schülern die durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums geforderte Gelegenheit zu geben, an den kirchlichen Feiern in den hiesigen Gotteshäusern teilzunehmen. Trotz der frühen Stunde hatten sich außer den Vertretern der städtischen Behörden, sowohl des Magistrats wie der Stadtverordneten-Versammlung, zahlreiche Gäste, Freunde und frühere Schüler der Anstalt eingefunden. Die Feier begann mit dem Soldatenliede von Lindner, woran sich der Vortrag von Gedichten und einer Scene aus„Prinz von Homburg“ von Heinrich von Kleist anschloß. Nach dem Gesange des Vaterlandsliedes von E. M. Arndt hielt Herr Oberlehrer Andrien die Festrede. Er sprach über den„Krieg als Erzieher“ und gab zum Schluß der Hoffnung Aus- druck, daß die Errungenschaften der durch den Krieg hervorgerufenen Bewegung der Geister dauern werden in einem glücklichen Frieden. Mit dem allgemeinen Gesange:„Heil Dir im Siegerkranz“ schloß die erhebende Feier.


