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Am 25. August fand auf Grund der Verfügung des Königlichen Provinzial-Schul- kollegiums vom 11. August 1914, Nr. IV, 6751 eine Notschlußprüfung unter dem Vorsitz des zeitigen Direktorats-Verwesers statt. Die 9 in die Prüfung eingetretenen Untersekundaner bestanden sämtlich und erhielten die Reife für die Obersekunda.
Am 31. August wurde Herr Seminarkandidat Kurt Hennickens unserer Anstalt als Hilfslehrer überwiesen und zunächst bis zum Schluß des Sommer-Semesters mit 14 Wochen- stunden, vom 1. Oktober 1914 ab aber voll beschäftigt.
Am 5. September versammelten sich Lehrer und Schüler in der Aula zu einer ernsten Trauerfeier, denn schon in den ersten Wochen des Krieges erlitt unsere Anstalt einen sehr schweren Verlust durch den Heldentod ihres Direktors Dr. Suck. Er war als Oberleutnant und Führer der 12. Komp. des Leib-Grenadier-Regiments König Friedrich Wilhelm III. Nr. 8 mit ins Feld gezogen. Doch war es ihm nur vergönnt, die ersten großen Erfolge unserer siegreichen Truppen in Belgien noch mitzuerleben. Schon in dem Gefecht bei Tirlemont wurde er von einer feindlichen Kugel in die Brust getroffen und schwer verwundet in das Lazarett nach Tongern gebracht; alle ärztliche Kunst und Pflege, die ihm dort zuteil wurden, konnte ihn nicht am Leben erhalten. Am 28. August fand er in Feindesland ein frühes Grab. Um den Verstorbenen zu ehren, veranstaltete für ihn das Lehrerkollegium der Ober- realschule, das ihn schon in den hiesigen und den Fachblättern einen ehrenden Nachruf ge- widmet hatte, am 5. September nach der vierten Unterrichtsstunde in der Aula eine Trauer- feier im engeren Kreise, an der außer der Schule nur die Vertreter der städtischen Behörden teilnanmen. Nach einleitendem Choral hielt Herr Oberlehrer Kalow eine geistliche Ansprache, der sich der Gesang des Schülerchors:„Mag auch die Liebe Dein usw. anschloß. In seiner darauf folgenden Gedächtnisrede suchte der Berichterstatter dem Verdienste des so früh auf dem Felde der Ehre Gefallenen um die Schule gerecht zu werden und den Schülern ein Lebensbild ihres Direktors zu geben. Die ernste und erhebende Feier schloß mit einem Choral. Am folgenden Sonntage sprach eine Abordnung des Lehrerkollegiums den tiefgebeugten Eltern des Verstorbenen in Frankfurt a O. ihr Beileid aus. Nachdem seine irdischen Reste nach Deutschland überführt waren, fand seine Beisetzung in Frankfurt am 7. Oktober statt. Da dieser Tag gerade in die Herbstferien fiel, konnte an der Beisetzung nur eine kleine Zahl von Schülern und eine Abordnung des Lehrerkollegiums teilnehmen.
Was der Entschlafene in seinem kurzen Wirken unserer Anstalt, die er nicht ganz 2 ½ Jahr als Direktor geleitet hat, gewesen ist, gehört der Geschichte der Anstalt an. Ich will aber nicht unterlassen auch hier darauf hinzuweisen, daß er der Weiterentwickelung unseter im Aufbau begriffenen Oberrealschule seine ganze Manneskraft gewidmet hat. Wenn es ihm auch nicht gelang seinen Lieblingswunsch, den Bau eines neuen Schulhauses, durch-— zusetzen, so gelang es doch seinem tatkräftigen Eintreten für die von ihm geleitete Anstalt bei den städtischen Behörden, eine Erweiterung des Gebäudes, eine zeitgemäße Einrichtung der Räume für Physik, Chemie und Biologie, eine Erweiterung der Turnhalle usw. durchzu- setzen. Auf die Förderung, die durch ihn die Turnerei, der Schwimmsport und überhaupt jede Art Jugendpflege erfuhren, sei noch besonders hingewiesen. Die Früchte seiner Arbeit zu genießen und die ersten Abiturienten Ostern 1916 zum ersehnten Ziele zu führen, sollte ihm nicht mehr vergönnt sein! Die Schule wird ihrem ebenso tatkräftigen wie kenntnisreichen Leiter ein bleibendes Andenken bewahren.
Von den übrigen im Felde stehenden Lehrern sind leider noch zwei, Herr Oberlehrer Walther und Herr Probekandidat und Filfslehrer Pohlmeyer verwundet worden. Wir wünschen beiden, von denen der erstere im Garnison-Lazarett zu Langensalza seiner Genesung entgegen- sieht, während sich der andere im Reserve-Lazarett zu Hanau befindet, eine baldige Gesundung. Es gereicht mir zur besonderen Freude mitteilen zu können, daß Herrn Oberſehrer Walther und Herrn Dr. Metzenthin für tapferes Verhalten vor dem Feinde das„Eiserne Kreuz“ ver- liehen wurde.
Von den früheren Lehrern der Anstalt hat leider auch Herr Oberlehrer Otto Mühsam, der hier von Michaelis 1911 bis Herbst 1912 sein Probejahr abgeleistet hatte, auf dem Felde der Ehre im Osten den Heldentod erlitten. Wir werden dem Gefallenen, der sich trotz der kurzen Zeit seiner Wirksamkeit an unserer Schule die Liebe und Verehrung seiner Schüler und die Hochschätzung seiner Amtsgenossen in hervorragendem Maße erworben hatte, ein ehrendes Andenken bewahren.


