Jahrgang 
1914
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Abend wurde von den Schülern der oberen Klassen im hiesigen StadttheaterWallensteins Lager unter Leitung des Herrn Professor Gallus aufgeführt. Die wohl gelungene Vorstellung hatte die Räume des Theaters bis auf den letzten Platz gefüllt, sodaß sich trotz des niedrigen Eintrittspreises noch ein erheblicher Ueberschuß ergab, der der Oberrealschul-Unterstützungs- kasse zugeführt wurde. Es sei mir gestattet hier einige Angaben aus der bisherigen Geschichte der Anstalt zu geben.

Am 1. Mai 1889 wurde die Höhere Bürgerschule, wie sie zunächst hieß, mit drei Vorschulklassen und einer Sexta in dem Mittelschulgebäude an der Promenade von errn Rektor Dr. Heine eröffnet. Am 1. Mai 1890 fand die Einweihung des neuen Schulgebäudes in der Bahnhofstraße statt, das die Oberrealschule noch jetzt inne hat Die Schule wies be- reits einen Bestand von 321 Schülern auf. Am 18. Januar 1892 wurde ihr durch Verfügung des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums der Name Realschule verliehen und zu Ostern 1895 konnte die erste Schlußprüfung abgehalten werden, bei der von 17 in die Prüfung eintretenden Schülern 14 bestanden. Da bald darauf Herr Direktor Dr. Heine erkrankte, mußte er zunächst durch Herrn Dr. Redlich vertreten werden, bis Ostern 1800 Herr Dr Ruchhöft die Leitung der Anstalt übernahm und sie günstig weiterentwickelte. Seinem Lieblingswunsche, die An- stalt zu einem Reform-Realgymnasium auszugestalten, wurde allerdings nicht stattgegeben, dafür aber in der Denkschrift am 29 November 1907 beschlossen, sie zu einer Oberrealschule mit wahlfreiem lateinischen Unterricht von O Ilab auszubauen. Der Ausbau sollte Ostern 1913 beginnen. Ferr Direktor Dr. Ruchhöft hat den Beginn des Ausbaues nicht mehr erlebt, da er in den Sommerferien 1911 in Warnemünde bei einer Bootsfahrt verunglückte Zur Durch- führung des Aufbaues der Anstalt wurde Herr Direktor Dr. Suck aus Oschersleben berufen, der Ostern 1912 die Leitung übernanm. Auch ihm sollte es nicht vergönnt sein, die über- nommene Aufgabe bis zum Ende durchzuführen!

Am 18 juni wurden die üblichen Schulausflüge der einzelnen Klassen unter Führung ihrer Klassenleiter unternommen. Diese Ausflüge erstreckten sich für die Klassen von der Vorschule bis zur Untersekunda auf die nähere oder weitere Umgebung unserer Naterstadt Cottbus, nur die beiden Obersekunden machten unter Hinzunahme eines zweiten Tages eine weitere Fahrt ins Riesengebirge und die Unterprima in das Iser- und Jeschkengebirge.

Großer Hitze wegen wurde der Unterricht nur an wenigen Tagen gekürzt. An den heißen Tagen trat an die Stelle des Turnunterrichts mitunter ein gemeinsamer Besuch der städtischen Badeanstalt.

Der Gesundheitszustand unserer Schüler war im verflossenen Schuljahre durchaus be- friedigend Doch hatte die Anstalt den Tod eines lieben und hoffnungsvollen Schülers zu beklagen. Am 25. Oktober starb nach langem schweren Leiden der Sextaner Max Lauterbach. Die Schule nahm an dem Schmerze der schwer geprüften Eltern, die in dem Entschlafenen ihr einziges Kind verloren, herzlichen Anteil. Die Klassengenossen gaben unter Führung des Klassenleiters ihrem so früh verstorbenen Mitschüler das letzte Geleit.

Am Kreisturnfeste, welches bei leider recht ungünstigem Wetter am 5. Juli auf der Rennbahn abgehalten wurde, beteiligten sich auch 120 Schüler unserer Anstalt. Die Leitung und Beaufsichtigung unserer Schüler hatten Herr Lehrer an der Oberrealschule Kunert und Herr Vorschullehrer Linke bereitwilligst übernommen.

Eine tiefgreifende Veränderung im ganzen Schulbetriebe und besonders in der Unter- richtsverteilung mußte nach Beendigung der Sommerferien sogleich nach der erfolgten Kriegs- erklärung eintreten. Herr Direktor Dr. Suck, Herr Professor Gallus, Herr Oberlehrer Walther und Herr Seminarkandidat und Hilfslehrer Dr. Metzenthin wurden sofort zu den Fahnen ein- berufen. Flerr Probekandidat und Hilfslehrer Werner Pohlmeyer trat am 11. August als Kriegsfreiwilliger beim Inf-Reg. 52 ein, ebenso Herr technische Hiffslehrer Flupfer, der aller- dings schon in den Ferien von der Anstalt durch die städtischen Behörden abberufen war. Dazu kam, daß Herr Vorschullehrer Linke vom 1. August an beurlaubt werden mußte. Um unter diesen veränderten Verhältnissen den Untecrichtsbetrieb nach Möglichkeit aufrechterhalten zu können, wurde die Klasse Ull C aufgelöst und die Schüler dieser Klasse auf die Klassen Ull A und UII B verteilt, die beiden zweiten Vorschulklassen wurden vereinigt und der engliche Unterricht in den beiden Obersekunden ebenfalls in eine Hand gelegt. Da damit noch nicht alle Unterrichtsstunden gedeckt werden konnten, mußten verschiedene Stunden ganz wegfallen, wie der wahlfreie Unterricht im Lateinischen, der Turnunterricht in der Vor- schule und die Schülerübungen in der Physik, Chemie und Biologie.