Jahrgang 
1856
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auf die Mathematik, Phyſik und die Naturgeſchichte einiges geändert, aus dem eine oberflächliche Auffaſſung eine dieſen Gegenſtänden weniger zugeneigte Anſicht vermuthen könnte, indem die Anzahl der mathematiſchen Stunden in Tertia und Quarta von 4 auf 3 heruntergeſetzt worden, die Phyſik nicht mehr Gegenſtand der Abiturientenprüfung geblieben, und die Naturgeſchichte in eine etwas unſichere Lage verſetzt worden iſt; aber wenn man in dem Plane lieſ't, daß nicht in der Vielheit der Gegenſtände, ſondern im Mangel an Einheit, in der Mannigfaltigkeit der Grund für das Erlahmen des Intereſſes der Schüler am Lernen geſehen worden ſei, und davor gewarnt wird, daß kein Lehrobject ſich iſolire, auch verfügt wird, daß bei der Abiturientenprüfung ein etwaiger Mangel in den philologiſchen Leiſtungen durch ein Plus in den mathematiſchen gedeckt werden könne, ſo muß man ſich freuen, daß die Schulbehörde ganz ruhig bei ihrer wohlbegründeten frühern Anſicht geblieben iſt, und noch obendrein auf die Uebelſtände der Iſolirung irgend eines Unterrichtsgegenſtandes, welche Abſonde⸗ rung im Prinzip ganz innig zuſammenhängt mit der Iſolirung einer Wiſſenſchaft von den übrigen Wiſſenſchaften, ganz beſonders aufmerkſam gemacht hat. Schon ſeit langer Zeit war ſowohl in den verſchiedenen pädagogiſchen Zeitſchriften, als auch in den Verſammlungen der Schulmänner vielfach von einer Vereinfachung des Lehrplans für die Gymnaſien die Rede. Ausſcheidung eines oder mehrerer Lehrgegenſtände oder Reducirung der Anzahl der Unterrichtsſtunden in dieſem oder jenem Fache waren meiſtens das Ziel. Meiſtens combinirte ſich damit eine Verringerung des Umfangs, in welchem dieſer oder jener Unterrichtsgegenſtand gelehrt werden möchte. So lange man ſich im Allgemeinen hielt, hörte ſich das Ding gut an. Man ſprach von Ueberbürdung der Schüler, von Zerſplitterung der geiſtigen Kraft, von Erſtickung der Selbſtthätigkeit, Mangel an ſichrer Aneignung des Stoffes und eignem Urtheil. Aber als man an die einzelnen Unterrichtsfächer herantrat, als man ſich der Dienſte erinnerte, welche jedes von ihnen der Sache des Unterrichts und der Erziehung geleiſtet hatte, und daß ſie alle in ihrem Beiſammenſein, in ihrem Zuſammenwirken nur im Stande geweſen waren, ein Reſultat zu erzielen, was doch nicht ſo gering konnte angeſchlagen werden, und was man ſich nicht getrauen durfte nach Ausſcheidung des einen oder des andern Hauptunterrichtsgegenſtandes noch vermittelſt der übrig gebliebnen errei⸗ chen zu können, da waren es blos noch etliche übermuthige Kämpfer, die nicht von dem Verſuche abſtehen woll⸗ ten, mit überſchätzten Mitteln unterſchätzte Ziele zu erreichen. Man behielt alſo im Großen und Ganzen alle Unterrichtsgegenſtände des alten Lehrplanes bei. Stundenzahl und Umfang der Lehrgegenſtände kamen an die Reihe. Schon früher war viel von Concentriren, von Concentration die Rede geweſen. Nach einer Definition habe ich mich vergebens umgeſehen. Auch iſt das Wort bald in dieſem, bald in jenem Sinne angewendet worden. Nachdem man ſich nehmlich überzeugt hatte, daß kein Unterrichtsgegenſtand des bisherigen Schulplanes geſtrichen werden dürfe, wurde gefragt, was für Gegenſtände es wohl ſeien, denen ein ganz beſonderer Grad von bildender Kraft innen wohne, auf welche alſo die Schule ganz beſonders ihr Augenmerk zu richten habe, an denen die Schüler ganz beſonders ihre Kräfte üben und ſtärken müßten, und in was für Stuſen⸗ und Rangfolge darnach die Unterrichtsgegenſtände wohl zu ſtellen ſein möchten. Man bildete mehrere concentriſche Kreiſe, ſtellte den vermeintlich wichtigſten Gegenſtand in das gemeinſchaftliche Centrum, vertheilte die der Wich⸗ tigkeit nach in zweiter Linie gedachten auf die Peripherie des erſten Kreiſes, und ſo fort. In der Weſtphäliſchen Directorenconferenz räumt in dieſem Sinne ein Mitglied der lateiniſchen Sprache dieſe Centrums⸗, Schwerpunkts⸗ ſtelle ein, ſpricht aber nur von dem Verhältniß der Sprachen unter einander, der claſſiſchen gegenüber der Mutter⸗ ſprache und den modernen, und bei den claſſiſchen der lateiniſchen gegenüber der griechiſchen Sprache, indem er die Gruppe der claſſiſchen Sprachen ſtillſchweigend in und zunächſt um den Mittelpunkt legt. Sowohl in der Frage als auch in der Antwort liegt ein nicht zu überſehender Fehler. Was man beiſpielweiſe durch die Ma⸗ thematik erreichen kann, das läßt ſich nicht durch die Naturwiſſenſchaften erreichen und umgekehrt. Was ſich durch das Sprachſtudium gewinnen läßt, kann nicht durch Mathematik und Naturwiſſenſchaften erzielt werden. Die Geſchichte weckt, übt und ſtärkt den Geiſt anders, als alle andere Wiſſenſchaften und umgekehrt. Alle ſind nicht blos gleich nothwendig, ſie ſind für die harmoniſche Ausbildung des Geiſtes auch gleich wichtig. In dem 3