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iſolirt die Wiſſenſchaften, zerſtört die universitas litterarum, die wie die Philoſophie alle Wiſſenſchaften verbindend und einigend durchdringt, alle Facultäten fördernd und veredelnd in eine höhere Einheit zuſammenführen ſoll. Paldanus in„Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik, Decemberheft 1855“ ſagt:„Etliche Gymnaſiallehrer wären froh, wenn die realiſtiſchen Elemente aus dem Gymnaſium herausträten“, und weiter:„manche zeigen das Streben, das Gymnaſium wieder ausſchließlich um das claſſiſche Gebiet zu concentriren, aber ſie würden da⸗ durch das Gymnaſium in die Gefahr einer excluſiven Stellung bringen, ihnen faſt den Charakter gelehrter Fach⸗ ſchulen aufprägen“. Wohl beſchäftigen ſich die Mathematik und die Naturwiſſenſchaften, um noch ſpeziell einem Einwande zu begegnen, der von daher ſtammt, wo man lieber von Außen gibt, als von Innen aus entwickelt, wo man mehr dem Buchſtaben und der äußern Auctorität, als dem Geiſte und der Kraft der Wahrheit vertraut, nicht unmittelbar mit Gott und göttlichen Dingen, aber dienen ſie darum weniger dem Höchſten und Edelſten? Heißt das Forſchen nach den ewigen Geſetzen in der Menſchenbruſt oder in den Bewegungen des Himmels nicht auch dem Höchſten dienen? Klopſtock dichtete die Meſſiade, Raphael malte die heilige Familie, Erwin von Stein⸗ bach baute den Straßburger Münſter, Bach componirte den Judas Makkabäus, Euklid ſchrieb ſeine Elemente, Keppler und Newton erforſchten die Geſetze des Himmels, eine Nation wandte ſich mehr dem Theoretiſchen, der Lehre, dem Dogma, die andere mehr dem Praktiſchen, Sittlichen, der Verfaſſung, der äußern Ordnung zu. Ein Zeitalter ſingt heilige Geſänge, ein andres baut Dome, ein andres erforſcht die Geſetze der Außenwelt, ein andres richtet den Blick nach Innen. Vielerlei Gaben, ein Geiſt, ein Segen über alle! Und wenn Gott auch nicht unmittelbar aus der Natur heraus ſpricht, iſt darum das Wort weniger wahr:„Wer Gott nicht zweimal ſieht, der ſieht ihn auch nicht einmal!“„Wenn der Religionsunterricht, ſagt Otto Schulz in der Vorrede zu ſeinem Lehrbuch der mathematiſchen Geographie, uns die in einer beſtimmten Zeit geſchehene Offenbarung im Chriſten⸗ thum vorführt, ſo geben Geſchichte und Naturwiſſenſchaften uns die noch immer fortgehende Offenbarung Gottes, jene die ewig bewegte im Menſchenleben, dieſe die ewig unveränderliche in den ſtummen und doch laut und ver⸗ nehmlich redenden Werken der Schöpfung(Röm. 1. V. 19, 20. Pſalm 19.).“ Dieſen Geſichtspunkt, meint er weiter, ſolle man bei allem Unterricht in den Naturwiſſenſchaften feſthalten, ohne ihn eben äußerlich zur Schau zu tragen. Man kann hier leichter zu viel thun als zu wenig.„Bilde Künſtler, male nicht,“ hat, etwas frei überſetzt, auch hier einen ſchönen Sinn.
Nach dem Vorigen darf man wohl erwarten, daß eine umſichtige, nicht bloß den Beamten, den Diener der Kirche und des Staates, oder die bloße Berufsbildung, ſondern den ganzen Menſchen und das höhere gei⸗ ſtige Bedürfniß ins Auge faſſende Behörde, die dem Geiſte und der Wahrheit vertraut, und die Wiſſeenſchaft nicht für Dinge, die der Natur der Wiſſenſchaft fremd ſind, in den Dienſt nehmen will, gewiß nicht daran denken wird, den Unterricht in der Mathematik und in den Naturwiſſenſchaften auf den Gymnaſien zu beſchrän⸗ ken und zu verkümmern, und wir ſehen uns in unſern Erwartungen bezüglich der preußiſchen Gymnaſien nicht getäuſcht. In dem auf die Schrift Lorinſers:„Zum Schutz der Geſundheit in den Schulen“ bezüglichen Mini⸗ ſterialerlaß heißt es, nachdem die alten Sprachen, die Geſchichte und Geographie, die Mathematik und Natur⸗ wiſſenſchaft genannt worden ſind:„Dieſe Gegenſtände machen die Grundlage jeder höhern Bildung aus, und ſtehen zu dem Zwecke der Gymnaſialbildung in einem eben ſo natürlichen als nothwendigen Zuſammenhang.“ An einer andern Stelle heißt es weiter:„Gerade dieſe Lehrgegenſtände ſind vorzüglich geeignet, um durch ſie und an ihnen alle geiſtige Kräfte zu wecken, zu entwickeln, zu ſtärken, und der Jugend, wie es der Zweck der Gymnaſien mit ſich bringt, zu einem gründlichen und gedeihlichen Studium der Viſſeenſchaften nicht blos for⸗ melle, ſondern auch materielle Vorbereitung und Befähigung zu geben. Ein Gleiches läßt ſich nicht ſagen von dem Unterricht in der hebräiſchen Sprache, welche nur für die künftigen Theologen beſtimmt und als Vorbereitung zu einem ſpeziellen Fachſtudium dem allgemeinen Zweck des Gymnaſiums fremd iſt, und von der franzöſiſchen Sprache, welche ihre Einführung nur der Rückſicht auf ihre Nützlichkeit für das weitere praktiſche Leben ver⸗ dankt.“ Allerdings iſt in dem eben erſt erſchienenen„Normalplan für den Gymnaſialunterricht“ in Rückſicht


