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überſchlagen zu können, was für Aenderungen ſich in den Folgerungen ergeben werden, wenn man einen nach ſeinen Folgerungen ſchon bearbeiteten, gleichſam aus einander gelegten Begriff um dieſes oder jenes ändert. Wer ſo vorbereitet iſt, wird unter allen möglichen Begriffen zunächſt diejenigen abweiſen, unter deren Folgen er ſolche findet, die den zu erklärenden Erſcheinungen widerſprechen, indem nach einem Geſetze der Logik jeder Grund, deſſen Folgen falſch ſind, ſelbſt falſch ſein muß. Unter den übrigen wird er ſich bei denjenigen umſehen, deren Ableitungen ihm am meiſten mit den zu erklärenden Erſcheinungen zuſammenzufallen ſcheinen; er wird entſpre⸗ chender Weiſe zufügen, wegnehmen ꝛc. Iſt nun aber der Begriff einmal gewählt, feſtgeſtellt, dann muß er, wie in der Mathematik, ohne Rückſicht auf ſeinen Urſprung rein logiſch behandelt, in ſeinen Folgen gleichſam aus einan⸗ der gelegt werden. Findet ſich in den Folgerungen nur irgend eine Abweichung, irgend ein Widerſpruch mit den zu erklärenden Erſcheinungen, muß die Erklärung augenblicklich als eine unſtatthafte verworfen werden. Findet Uebereinſtimmung ſtatt, ſo kann man zwar nicht mit apodiktiſcher Gewißheit auf die Richtigkeit des Grundes, auf das Vorhandenſein der vermutheten Urſache ſchließen, da man in den Erklärungswiſſenſchaften überhaupt nicht auf apodiktiſche Gewißheit rechnen darf, indem man aus der Richtigkeit der Folgen nie vollkommen ſicher auf die Richtigkeit des Grundes zu ſchließen berechtigt iſt, aber die Wahrſcheinlichkeit, das Richtige getroffen zu haben, nimmt mit jeder Ableitung und jeder übereinſtimmenden Wahrnehmung bis zu einem nicht mehr zu ſteigernden Grade zu.
Der äußere Zuſammenhang und der cauſale ſind es nicht allein, welche der Menſch in dem Wechſel der Erſcheinungen vermuthet und erkannt hat. Beſonders die organiſche Natur iſt es geweſen, die ihn die Außenwelt als eine Welt voll Zweck und Mittel hat ahnen lehren, und es iſt wohl nur einer verkehrten und oberflächlichen Anwendung des Zweckbegriffes zuzuſchreiben, daß die teleologiſche Auffaſſung der Natur bei ſo vielen Naturforſchern in Mißkredit gekommen iſt; doch hätte man der Teleologie an ſich die Berechtigung nicht abſprechen ſollen. Jedermann ſpricht von der zweckmäßigen Einrichtung der menſchlichen Hand, von dem künſt⸗ lichen Bau des menſchlichen Auges als eines Inſtrumentes zum Sehen, von den einzelnen Organen überhaupt als Werkzeugen mit einer beſtimmten Verrichtung, als Mitteln zu einem beſtimmten Zwecke. Jede Maſchine wirkt nach dem Zuſammenhang von Urſache und Wirkung, aber die Elemente ihrer Zuſammenſetzung und die Art ihrer Zuſammenſetzung ſind gewählt, geordnet in der Abſicht, daß die und die Wirkung hervorgebracht werde. Durch die hinzutretende Abſicht wird das Verhältniß von Urſache und Wirkung zu einem Verhältniß von Zweck und Mittel. Dem Mechaniker, Künſtler iſt der Zweck gegeben; er ſucht die zweckdienlichen Mittel. Er faßt den Zweck auf als Wirkung, und ſucht die Mittel zu dieſem Zweck als Urſachen zu dieſer Wirkung. Als die akroamatiſchen Fernröhre noch nicht erfunden waren, fragte man, was für Mittel die Natur ange⸗ wendet habe, um beim Auge den Zweck des deutlichen Sehens zu erreichen. Was für Mittel die Natur ange⸗ wendet habe, um die thieriſche Wärme auf ihrer normalen, conſtanten Höhe zu erhalten bei noch ſo ſtarker Vermehrung und Verminderung der das Thier umgebenden Medien, iſt eine teleologiſche Frage, und man weiß, was für ſchöne Reſultate darauf gerichtete Unterſuchungen geliefert haben. Die teleologiſche Auffaſſung bedarf zu ihrer wiſſenſchaftlichen Vollendung allerdings der Aufweiſung eines entſprechenden, cauſalen Zuſammenhangs; aber ſie kann uns in dem ſchwierigen Geſchäfte der Auffindung des cauſalen Zuſammenhangs leiten, und zeigt uns endlich die ganze Natur als ein Werk der Abſicht, eines nach Zwecken ſchaffenden und leitenden Weſens, ſo daß wir mit dem Pſalmiſten ausrufen werden:„Du haſt alles weislich geordnet!“ Wird es noch wohl nöthig ſein von dem geiſtigen Genuß zu ſprechen, den uns die Beſchäftigung mit den Naturwiſſenſchaften gewähren muß? An der Welt der Erſcheinungen wird die ſchlummernde Kraft des Geiſtes wach, der Geiſt durchdringt die Welt mit ihren Gedanken, und in verklärter Geſtalt tritt ſie dem ſinnigen Beobachter verwandt und befreundet entgegen. Die mathematiſche Formel iſt der Leitſtern, der uns die Zeit und den Ort bezeichnet, wann und wo wir am deutlichſten und ſicherſten beobachten, am genaueſten meſſen, das Ganze am vollſtändigſten überſchauen können. Sie iſt zugleich die Fackel, die in die fernſten Räume, die dunkelſten Winkel hineinleuchtet, und was das raum⸗
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