Jahrgang 
1856
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lität, fragte gleich weiter nach dem innnern Zuſammenhang der Erſcheinungen, nach der Kraft und nach der Natur der Kraft, welche ſolche Erſcheinungen als Wirkungen hervorzubringen vermöchte. Der gewaltige Geiſt Newton's war es, der in der Gravitation die Auflöſung des großen Räthſels vermuthete, und ausgerüſtet mit dem zu gleicher Zeit erfundenen größten naturwiſſenſchaftlichen Hülfsmittel, mit der ſich an alle Erſcheinungen der Natur auf das engſte anſchließenden höhern Analyſis leitete er aus ſeiner Vermuthung alle für die Ent⸗ ſcheidung wichtige Folgerungen ab, fand zwiſchen ſeinen Folgerungen und den am Himmel beobachteten Erſchei⸗ nungen eine ſolche Uebereinſtimmung, daß die Keppler'ſchen Geſetze über den äußern Zuſammenhang ganz allein als eine einfache, nothwendige Folge der Gravitation erſchienen. In Beſitz dieſes Gedankens wiſſen wir jetzt mehr von der Natur, als uns die Wahrnehmung über die Natur zu ſagen vermag, ja, durch ihn vermögen wir ſogar vermeintlich richtige Wahrnehmungen zu corrigiren, vorauszuſagen, was man dann und dann, dort und dort, in der und der Größe finden werde, zu beſtimmen, ob eine überlieferte aſtronomiſche Erſcheinung in der That vorgekommen ſei, und wenn ſie vorgekommen iſt, ob ſie der Ueberlieferung entſprechend vorgekommen ſei. Wir ſind zu einer Theorie des innern Zuſammenhangs der naturhiſtoriſchen Erſcheinungen gelangt, die ſphäriſche und theoretiſche Aſtronomie haben in der phyſiſchen ihre Vollendung gefunden. Was in der Aſtronomie die Kepp⸗ ler'ſchen Geſetze, das ſind in der Optik die Geſetze der Katoptrik, Dioptrik ꝛc., und was dort die Gravitations⸗ lehre, das iſt hier die Undulationstheorie.

Sehen wir auf die Art der Begriffe, welche wir zur Erklärung der Erſcheinungen angewendet haben, oder richten wir unſere Aufmerkſamkeit auf die geiſtige Thätigkeit der Erzeugung, Bearbeitung, Anwendung und Prüfung dieſer Begriffe, ſo kann uns die große Bedeutung dieſes Theils der Naturwiſſenſchaften für unſer gei⸗ ſtiges Leben nicht entgehen. Man hat häufig geſagt, die Keppler'ſchen Geſetze ſeien aus der Natur abſtrahirt, Keppler habe durch Beobachtungen, Meſſungen, mit Hinzuziehung von Beobachtungen, Meſſungen Anderer, wahr⸗ genommen, daß die planetariſchen Bahnen Ellipſen ſeien, und ſo ähnlich bei allen Geſetzen; aber abgeſehen davon, daß dazu unendlich viele und zwar mathematiſch genaue Beobachtungen gehörten, iſt es nicht einmal in aller Strenge wahr, daß die Bahnen Ellipſen ſind, und daß die Sonne in einem ihrer Brennpunkte ſteht. Die Gra⸗ vitation Newton's iſt noch mit weit weniger Recht ein abſtracter Begriff zu nennen, da eine Kraft, eine Urſache als ſolche nie in die Wahrnehmung fallen, nie Gegenſtand unſerer Sinne werden kann. Der Cauſalbegriff ſtammt allein aus unſerm Geiſte; wir können ihn nur aus ſeiner Anwendung abſtrahiren, wie die abſtracten Begriffe der Mathematik ebenfalls nicht aus der Natur, ſondern blos aus dem Geiſte ſtammen, und nur aus ihrer Anwendung abſtrahirt werden können. Die mathematiſchen Begriffe, ſo wie die Cauſalbegriffe verwenden wir zur Erklärung der Erſcheinungen in der Natur, nehmen ſie aber nicht aus der Natur. Die Natur kann unſern Geiſt nur zur Erzeugung derſelben anregen. In dieſem Sinne iſt wohl das nihil est in intellectu, quod non fuerat in sensu zu rectificiren! Die Natur legt uns einen Complex von Erſcheinungen vor, und wir ſtellen uns die Aufgabe, einen Begriff als Urſache zu finden, deſſen rein logiſche Folgen ganz und gar übereinſtimmen ſollen mit den Erſcheinungen als Wirkungen. Bei dem Bilden des Begriffes irgend einer Urſache ſind wir wie bei dem Bilden eines mathematiſchen Begriffes nur durch das logiſche Geſetz gebunden, daß wir keine einander widerſprechende Merkmale in ihm zulaſſen, oder dafür ſorgen, daß der Begriff logiſch möglich ſei. Damit der Begriff aber nicht bloß logiſch zuläſſig ſei, ſondern auch den beſtimmten Zweck erfülle, zur Erklärung vorliegender Erſcheinungen dienen zu können, iſt man genöthigt, von den Folgen, den bewirkten Erſcheinungen, zum Grunde, der Urſache, zurückſchreiten zu können. Da das aber eine ſehr unbeſtimmte Aufgabe iſt, indem eine Folge aus verſchiedenen Gründen, eine und dieſelbe Behauptung aus verſchiedenen Vorausſetzungen fließen kann, ſo ſind wir hiermit auf das Gebiet der Vermuthungen, der wiſſenſchaftlichen Hypotheſen gewieſen. Hieraus geht mit größter Klarheit hervor, daß nur Derjenige mit einiger Ausſicht auf glücklichen Erfolg an die Aufſu⸗ chung eines Erklärungsbegriffes werde gehen können, der ſchon recht viele Cauſalbegriffe bearbeitet, aus ihnen eine möglichſt große Menge von Folgerungen gezogen hat, auch dadurch ſich in den Stand geſetzt hat, leicht