Jahrgang 
1856
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hung auf die Anwendung des teleologiſchen Princips die Phyſiologie, welche uns in ihrer geſchichtlichen Entwick⸗ lung recht deutlich zeigen, daß die Entwicklung der Menſchheit im Großen und Ganzen denſelben Weg gegangen iſt, wie die des einzelnen Menſchen. Jahrhunderte, Jahrtauſende lang blieb die Aſtronomie bei dem ſcheinbaren äußern Zuſammenhang am Himmel ſtehen. Die Erde ſtand ſtill, um ſie herum bewegten ſich ſo und ſo die Sonne, der Mond und die übrigen Himmelskörper. Aus dieſer Hypotheſe heraus ſuchte man alle Bewegungs⸗ erſcheinungen am Himmel zu erklären. In dieſer Hypotheſe ſtehen noch jetzt alle ungebildete Völker und ein⸗ zelne Ungebildete in den gebildeten Nationen, ja, in dieſer Hypotheſe ſprechen alle Gebildete und Ungebildete aller Nationen, und werden auch wohl immer in ihr ſprechen. Der Ungebildete will hier nichts von Hypotheſe wiſſen; er ſagt, das ſähe er ja mit ſeinen eignen Augen. So ſchwer hält es, die Sinneswahrnehmungen nicht mit Hinzugedachtem zu vertauſchen, beide gehörig von einander zu trennen, und ſich der Trennung ſtets bewußt zu bleiben. Ob die Sonne geht oder nicht geht, das kann Niemand ſehen, das iſt keine Frage der Sinne, das iſt eine Sache der Vermuthung, die für den Einen eine leere, für den Andern eine wiſſenſchaftliche iſt. Nicht blos dieſes Vermengen des Wahrgenommenen mit Hinzugedachtem, und dieſes Nehmen des Gedachten für Wahrge⸗ nommenes allein war es, was ſo lange die Augen gebunden hielt für die Theorie des wahren äußern Zuſam⸗ menhangs. Die Belebung der Natur mit den mehr oder weniger blos der Imagination und den religiöſen Vorſtellungen der Nationen, ihrer Dichter, Prieſter, Philoſophen entſprungenen Gebilden, Heroen und Götterge⸗ ſtalten hatten die unmittelbare Natur dem Auge verhüllt und entzogen; ein faſt ausſchließlich dem politiſchen Leben zugewandter Sinn, ein nur auf Eroberung und Unterwerfung gerichtetes Gelüſte zog gleichgültig an den erhabenſten und liebreizendſten Gegenſtänden der Natur vorüber; ein zwiſchen dem Leben dieſſeits und dem Leben jenſeits, zwiſchen dem Geſchöpfe und dem Schöpfer aufgebauter feindlicher Gegenſatz hatte den Sinn nicht blos von der Natur abgezogen, ſondern ihn mit Abneigung und Furcht vor derſelben erfüllt. Das zu weit gehende Anſehen eines philoſophiſchen Syſtems und eine verkehrte Anſicht von der Art der Auctorität des alten Teſta⸗ ments in Beziehung auf den wahren äußern Zuſammenhang unter den Erſcheinungen am geſtirnten Himmel traten hinzu, und ſo iſt es geſcheh en, daß das Alterthum und das Mittealter nicht über den ſcheinbaren äußern Zuſammenhang der Erſcheinungen am Himmel hinausgekommen ſind. Unterdeß hatte die Schifffahrt bedeutende Fortſchritte gemacht, man war über das Cap der guten Hoffnung hinausgeſegelt; ein neuer Welttheil war ent⸗ deckt worden. Das Leben hatte bedeutende Fragen an die Wiſſenſchaft geſtellt. Um ſich auf der Erde, auf dem Meere orientiren zu können, mußte man ſich an dem geſtirnten Himmel zurecht zu finden ſuchen. Ohne Sternkarten, Mondtafeln, Kompaß, Meßinſtrumente war man nicht im Stande weiter vorzudringen. Das Bedürfniß erweckte die Luſt, und die Luſt weckte das Vermögen. Phantaſiegebilde konnten nicht helfen. Natur⸗ wahrheit war das Ziel; Erfahrung, Beobachtung und Verſuch, der ſicherſte Weg. Jetzt war die Bahn gebrochen. Philoſophen, Naturforſcher, Mathematiker und Mechaniker reichten einander treulich die Hände. Baco v. Verulam hatte auf die große Bedeutung der Erfahrung hingewieſen. Das Fernrohr, für die Welt der himmliſchen Maſſen und Bewegungen von derſelben Wichtigkeit als das ſpäter erfundene Mikroſkop für die Welt des Kleinen, beſonders für die Phyſiologie, wurde gegen den Himmel gerichtet. Das Material der Be⸗ obachtung wuchs mit dem Gebrauch und der Vervollkommnung der Inſtrumente an Maſſe und an mathemati⸗ ſcher Beſtimmtheit. Kopernikus und Keppler waren es, welche zuerſt den richtigen Gedanken über den äußern Zuſammenhang der himmliſchen Bewegungen erfaßten, und dadurch die ſphäriſche Aſtronomie auf die Stufe der theoretiſchen erhoben. Die Keppler'ſchen Geſetze geben der Reihe nach an den Zuſammenhang zwiſchen der Stel⸗ lung der Sonne(in Beziehung auf die Planeten als unveränderlich gedacht) und der Stellung jedes Planeten, zwiſchen der Zeit der Bewegung jedes Planeten und dem in dieſer Zeit zurückgelegten Weg, zwiſchen den Um⸗ laufszeiten der verſchiednen Planeten und der entſprechenden mittlern Entfernungen dieſer Planeten von der Sonne. Bei der Vermuthung und möglichſten Sicherſtellung dieſes äußern Zuſammenhangs, dieſes Zuſammenhangs zwi⸗ ſchen bloßen Erſcheinungen ſollte es jedoch nicht lange bleiben. Der Geiſt, in ſich tragend das Geſetz der Cauſa⸗