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durch wiſſenſchaftliches Prüfen, Vermuthen und Errathen das Weſentliche von dem Unweſentlichen, das Conſtante von dem Veränderlichen, das Abhängige von dem Unabhängigen zu ſondern, um zu den abſtracten Begriffen zu gelangen. Analogie und Induction müſſen uns leiten, und es kann immer nur als wahrſcheinlich, wenn oft auch als höchſt wahrſcheinlich, nachgewieſen und behauptet werden, daß mit dem Vorhandenſein dieſes oder jenes Com⸗ plexes von Merkmalen ſtets ein Vorhandenſein dieſes oder irgend eines andern verbunden ſei. In der Mathe⸗ matik erzeugt der ordnende Geiſt die Vorſtellungen, Begriffe aus ſich ſelbſt, ſpricht ſie in genetiſchen Definitionen aus, kann und darf ſich bei der Beſtimmung der conſtitutiven und attributiven Merkmale, bei der Vergleichung, Unter⸗, Neben⸗ und Ueberordnung der Begriffe durch Analogie und Induction leiten laſſen, muß aber zur Sicher⸗ ſtellung der Wahrheit ſtets den nothwendigen innern Zuſammenhang zwiſchen der Behauptung als Folge und den Vorausſetzungen als deren Grunde im Wege der logiſchen Abhängigkeit aufweiſen.
Dürfen wir in der Naturgeſchichte ſchon eine Bekanntſchaft mit der Phyſik, Chemie, Phyſiologie, alſo eine gewiſſe Kenntniß des äußern und innern Zuſammenhangs in den Erſcheinungen der lebloſen und lebenden Natur vorausſetzen, ſo eröffnet ſich uns auf dieſem Gebiete ein neues großes Feld geiſtiger Anregung, Thätig⸗ keit und geiſtigen Genuſſes, das uns um ſo mehr anziehen und feſſeln muß, als wir unſerer ſinnlichen Natur nach ſelbſt unter dieſe Gegenſtände fallen, die Erſcheinungen der thieriſchen Seele uns in manchem Betracht über die Erſcheinungen in unſerer eignen Seele Aufſchluß geben können, und wir unſerer ſpezifiſch, qualitativ verſchiedenen geiſtigen Natur nicht beſſer bewußt werden können, als wenn wir ſehen, daß das Thier immer nur an die Sinnlichkeit gebundene Vorſtellungsreihen zu durchlaufen vermag, während wir von den Dingen abge⸗ ſonderte Gedankenreihen zu durchlaufen im Stande ſind, daß das Thier alſo auch keine Sprache haben kann, nicht über das Maaß ſeines Inſtinkts hinauszugehen vermag, daß es im erſten Augenblick ſeines Thuns daſſelbe Geſchick an den Tag legt als im ſpätern Verlauf, daß der Fink vor tauſend Jahren und der von heute, der ältere Vogel, der ſchon öfters ſein Neſt gebaut hat, und der jüngere, welcher noch nie eins aufführte, ganz auf gleiche Weiſe ihr Haus, in derſelben Form, in derſelben Größe, aus demſelben Material, in derſelben Vollkom⸗ menheit aufführen, daß das Thier alſo weder bildungsfähig noch bildungsbedürſtig iſt, daß die Geſchichte eines Thieres weſentlich dieſelbe iſt, als die jedes andern derſelben Species.
Ein großes neues Feld geiſtiger Anregung, Bildung und geiſtigen Genuſſes eröffnete ſich dem Menſchen, als er anfieng, auf die geſetzmäßige Verkettung der Erſcheinungen in der Natur ſeine Aufmerkſamkeit zu richten, die Abhängigkeit einer Erſcheinung von einer oder mehreren andern zu vermuthen, das Abnehmen, Wachſen einer Größe von dem Abnehmen, Wachſen einer oder mehrer andern als abhängig zu betrachten, und zuletzt überall Urſache und Wirkung, Mittel und Zweck zu ahnen. Alles wurde lebendig vor ſeinem Auge, voller Be⸗ züge, inniger Verkettung. Nichts ſtand mehr iſolirt da. Er ſelbſt fühlte ſich verwandt der Natur. Neue Ver⸗ muthungen reizten zu neuen Beobachtungen. Ja, das Verlangen, zu wiſſen, was ſich noch Alles in der Folge zeigen werde, wenn man nur dieſes oder jenes hervorrufen, veranlaſſen könne, drängte zu wiſſenſchaftlichen Ver⸗ ſuchen, erläuternden und beweiſenden Experimenten hin. Die Beobachtungen und der Verſuch reizten zu Ver⸗ muthungen, und die Vermuthungen reizten zu neuen Beobachtungen und Verſuchen. Es war die lebendigſte Wechſelwirkung zwiſchen der Welt der Sinne und der Welt des Alles in gedankliche Verbindung bringenden Geiſtes eingetreten. Der Geiſt ſuchte ein immer größeres und größeres Feld der Beobachtung zu umſpannen, das Fernſte und Kleinſte in ſeinen Bereich zu ziehen. Aſtronomiſche und phyſikaliſche Apparate wurden erfunden, alte Beobachtungen hervorgeſucht, mit den neuen, ſelbſt gemachten verglichen. Jetzt war es nicht mehr ausrei⸗ chend, die Erſcheinungen blos der Qualität nach zu beobachten, man mußte ſie auch der Quantität nach beſtim⸗ men. Sollten die Vermuthungen auf die Probe genommen werden können, ſo mußten aus dem vermutheten Größenzuſammenhang alle mögliche Folgerungen gezogen werden. Es drängte zu Meßinſtrumenten und zu einer mathematiſchen Methode hin, die auf eine bequeme Weiſe an den Gang der Naturerſcheinungen angelegt zu werden ſich eignen möchte. Es ſind vorzugsweiſe die Aſtronomie und einige Theile der Phyſik, und in Bezie⸗


